Theorie stützt verzögerte Zinsreaktion bei Kostenschocks
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Theorie stützt verzögerte Zinsreaktion bei Kostenschocks

Zentralbanken mit hoher Glaubwürdigkeit können bei Kostenschocks eine verzögerte Zinsstraffung theoretisch rechtfertigen. Dies betonte die rumänische Notenbank bei der Eröffnung der zwölften ERMAS-Konferenz unter Verweis auf jüngste Forschungsarbeiten.

Glaubwürdigkeit schafft Spielraum

Bei der Eröffnung der ERMAS-Konferenz in Cluj-Napoca verwies die rumänische Zentralbank auf theoretische Begründungen für ein vorsichtiges geldpolitisches Vorgehen.

Eine Studie von Nakamura, Steinsson und Riblier aus dem Jahr 2025 zeigt, dass glaubwürdige Notenbanken bei angebotsseitigen Preisschocks nicht zwingend sofort mit Zinsanhebungen reagieren müssen.

Ähnliche Befunde lieferten zuvor Dupraz und Marx für die Banque de France.

Zudem begrenzen reale Zielkonflikte die Straffung: Unter Verweis auf Arbeiten von Ricardo Reis wurde das Phänomen der Rezessionsdominanz hervorgehoben.

Notenbanken zögern demnach mit aggressiven Zinsschritten, um schwere Konjunktureinbrüche zu verhindern.

Das Dilemma der göttlichen Koinzidenz

Die Rede ordnet die jüngste Inflationsphase in die Debatte um die sogenannte göttliche Koinzidenz von Blanchard und Galí ein.

Während Nachfrageschocks erlauben, Preisstabilität und Produktionslücke mit einem Instrument simultan zu steuern, erzwingen Kostenschocks einen harten Zielkonflikt.

Unter Verweis auf Jan Tinbergen sowie Arbeiten von Karadi et al. und Del Negro et al. wurde verdeutlicht, dass ein einzelner Leitzins bei angebotsgetriebener Inflation nicht gleichzeitig Preisstabilität, Wachstum und Finanzstabilität garantieren kann.

Akademisches Schutzschild

Die theoretische Herleitung liefert Notenbanken eine willkommene Rechtfertigung für zögerliches Handeln.

Sie kaschiert jedoch das Kernproblem, dass ein einzelner Leitzins schlicht überfordert ist.

In der Praxis bleibt das Abwarten gefährlich, da jede Verzögerung die Inflationserwartungen entankern kann.

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