Europas Wachstumsmodell verliert alle drei Fundamente
Das europäische Nachkriegs-Wachstumsmodell steht vor dem Umbruch. Auf dem Weltwirtschaftsforum warnt die BIZ vor der gleichzeitigen Schwächung von globalem Freihandel, günstiger Energie und geopolitischer Sicherheit.
Industrie und Handel unter Druck
Europas wirtschaftliche Fundamente verlieren gleichzeitig an Tragfähigkeit.
Die europäische Wirtschaft ist etwa doppelt so handelsoffen wie die Vereinigten Staaten, sieht sich jedoch mit weltweit über 2.500 neuen Handelsbeschränkungen konfrontiert.
Zugleich erodiert der industrielle Vorteil in der mitteltechnologischen Fertigung.
China konkurriert inzwischen in knapp 40 Prozent der Branchen, in denen der Euroraum komparative Vorteile aufweist – nach etwa 25 Prozent in den frühen 2000er Jahren.
Zudem belasten hohe Energiekosten: Nach dem Wegfall von russischem Gas lagen die EU-Strompreise für energieintensive Industrien zuletzt doppelt so hoch wie in den USA und 50 Prozent über China.
Das Ende des Sicherheitsbonus
Neben Handel und Energie gerät die dritte tragende Säule ins Wanken: die bisherige regelbasierte internationale Ordnung unter dem US-Sicherheitsdach.
Dieses verlässliche Umfeld ermöglichte es europäischen Unternehmen über Jahrzehnte, Lieferketten primär nach Effizienzkriterien statt Resilienz auszurichten.
Zunehmende geopolitische Spannungen legen nun kritische Abhängigkeiten und Engpässe offen, während direkte Sicherheitsrisiken vor den Toren Europas akute Anpassungen erzwingen.
Effizienzdenken rächt sich bitter
Die Diagnose benennt schonungslos das Versäumnis, strategische Verwundbarkeiten rechtzeitig einzugrenzen.
Ein jahrzehntelanges Vertrauen auf externe Garantien bei Energie und Sicherheit lässt sich nicht kurzfristig kompensieren.
Europas Industrie steht vor einer schmerzhaften und kostspieligen Neuausrichtung ihrer gesamten Wertschöpfung.