Rehn fordert gemeinsamen europäischen Safe Asset
BIS Rede

Rehn fordert gemeinsamen europäischen Safe Asset

Zur Finanzierung strategischer Großprojekte und Stabilisierung der Finanzmärkte schlägt Olli Rehn einen europäischen Safe Asset vor. Der ESRB-Vize warnte am 2. Oktober in Frankfurt zugleich vor Klumpenrisiken durch den schuldenfinanzierten KI-Boom.

Kapital für Verteidigung, Energie und Produktivität

Europas Wirtschaft steht vor drei strategischen Aufgaben: Verteidigung, Energiewende und Produktivitätssteigerung.

Wie Olli Rehn auf der ESRB-Konferenz hervorhob, scheitert die Finanzierung nicht am Geld, sondern an fragmentierten Märkten.

Europäische Haushalte sparen fast 15 Prozent ihres Einkommens und halten rund 10 Billionen Euro – 70 Prozent ihrer Ersparnisse – auf Bankkonten.

Um diese Mittel produktiv zu bündeln, drängt Rehn auf die Vollendung der Spar- und Investitionsunion sowie die Prüfung eines gemeinsamen liquiden europäischen Safe Asset.

Dieser könnte die Liquidität vertiefen, als marktweite Benchmark dienen und im Krisenfall die fatale Verflechtung von Banken und Staaten lösen.

Zwischen KI-Boom und Zinslast

15 Jahre nach Gründung des ESRB sieht Rehn das Finanzsystem zwar gefestigt, warnt jedoch vor neuen Verwundbarkeiten.

Neben Cyberrisiken birgt vor allem der fremdfinanzierte KI-Boom Gefahren: Platzen die Erwartungen, drohen Verluste an den Kreditmärkten.

Gleichzeitig engen hohe Staatsschulden und steigende Langfristzinsen die Spielräume ein.

Laut den EZB-Projektionen wächst der Euroraum im laufenden Jahr um 0,9 Prozent und 2027 um 1,4 Prozent, während die Inflation von 3,0 Prozent auf 2,1 Prozent im Jahr 2028 sinken soll.

Ökonomisch zwingend, politisch blockiert

Rehns Vorstoß für einen Safe Asset trifft ökonomisch den Kern, blendet jedoch die ungelöste Haftungsfrage aus.

Solange Mitgliedstaaten jede gemeinsame Schuldenaufnahme als Transferunion blockieren, bleibt das Vorhaben eine Fata Morgana.

Ohne echte Fiskalunion wird das benötigte Kapital daher weiterhin an Europa vorbeifließen.

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