Digitale Anbieter konkurrieren um 40 Prozent der Bankerträge
Traditionelle Banken behalten in Zehnjahresszenarien rund drei Viertel der Bankaktiva, während digitale Anbieter um rund 40 Prozent der Erträge konkurrieren. Die Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beschreibt Szenarien, keine Prognosen.
Die Bilanz bleibt, Kunden wechseln
Christian Schmieder, Renzo Corrias und Oliver Wünsch klassifizieren rund 9.000 Banken aus mehr als 150 Rechtsräumen in sechs Geschäftsmodelle.
Vier Zehnjahresszenarien zeigen unterschiedliche Anteile neuer technologiegestützter Modelle an den Bankaktiva: unter 5 Prozent bei langsamem Wandel, 15–20 Prozent bei beschleunigter Digitalisierung, rund 27 Prozent bei Plattformexpansion und etwa 3 Prozent bei politischer Unsicherheit.
Die Trendfortschreibung ergibt rund 3,5 Prozent.
Plattformen übernehmen Kundenzugang, Kreditvergabeprozesse und Gebühren, während Partnerbanken vielfach die Risiken tragen.
Im Plattformexpansionsszenario veranschlagen die Autoren einen Rückgang der Nettozinsmargen um 20–40 Basispunkte.
Zugleich steigen Ertragsschwankungen und die Geschwindigkeit von Einlagenabflüssen.
Digitales Tempo verkürzt die Reaktionszeit
Liquiditäts- und Solvenzrisiken steigen laut Autoren in allen Szenarien; politische Unsicherheit belastet jedes Geschäftsmodell.
Digitaler Mittelabzug verkürzt den Übergang von Liquiditätsstress zu Kapitalverlusten auf Tage oder Stunden.
Vier Aufsichtsprioritäten gelten durchgängig: Abflussannahmen überprüfen, Betriebs- und Drittanbieterresilienz stärken, schwache Erträge als Solvenzrisiko behandeln und Datenlücken schließen.
Bereits 2005–2024 sank der Aktivaanteil von Privat- und Geschäftsbanken von 48 auf 22 Prozent; Universalbanken stiegen von 35 auf 67 Prozent.
Bilanzdominanz ist kein Stabilitätsbeleg
Hohe Aktivaanteile erfassen laut Studie weder die Kontrolle über Kunden noch sämtliche Risikoketten.
Die Szenariowerte beruhen auf Expertenurteilen, nicht auf geschätzten Parametern.
Zudem bleibt die breitere Verlagerung zu Nichtbanken außerhalb der Projektionen; Bankdominanz gilt nur innerhalb des Bankensektors.