Leitzins könnte auf über 4,5 Prozent steigen
Die norwegische Zentralbank hält trotz sinkender Teuerung an einer restriktiven Geldpolitik fest und schließt eine Anhebung des Leitzinses von 4,25 auf über 4,5 Prozent nicht aus. Dies betonte Gouverneurin Ida Wolden Bache in der Schweigaard-Vorlesung an der Universität Oslo.
Festhalten am restriktiven Pfad
Norges Bank hält trotz jüngster Entlastung bei der Teuerung an einer restriktiven Ausrichtung fest.
Die offizielle Projektion sah eine Anhebung des Leitzinses von 4,25 Prozent auf gut 4,5 Prozent bis zum Jahresende vor.
Zwar fiel die Teuerungsrate im Sommer geringer aus als gedacht, sie verharrt jedoch weiter über der Zielmarke von 2,0 Prozent.
Haupttreiber sind steigende Arbeitskosten infolge hoher Gewinne bei Rohstoffexporten.
Dies erklärt auch den Zinsabstand von mehr als zwei Prozentpunkten zu Schweden und Dänemark.
„Es kann immer noch notwendig werden, den Leitzins anzuheben“, betonte Bache.
Kreditnehmer sollten sich nicht auf rasche Zinssenkungen einstellen.
Absage an grüne Geldpolitik
Gleichzeitig grenzte Bache das Mandat der Notenbank klar ab.
Forderungen, die Zinspolitik aktiv für den Klimaschutz einzusetzen, wies sie zurück: Das Zinsinstrument sei ungeeignet zur Senkung von Treibhausgasen; dafür seien CO2-Steuern und Regulierung zuständig.
Auch die Transparenzpraxis verteidigte sie gegenüber internationalen Tendenzen zur Geheimhaltung.
Norges Bank werde weiterhin Zinsprognosen veröffentlichen, um Berechenbarkeit und demokratische Rechenschaft zu sichern.
Standhaft gegen den Zeitgeist
Baches Einordnung ist ein überfälliges Bekenntnis zur primären Preisstabilität.
Die klare Absage an klimapolitische Nebenaufträge schützt die Glaubwürdigkeit der Notenbank vor politischer Überlastung.
Für Kreditnehmer bleibt die Botschaft ernüchternd: Eine rasche Zinswende steht vorerst nicht auf der Agenda.