Mindestreservesenkungen verzögern Zahlungsabwicklung
BIS Paper

Min­dest­re­ser­ve­sen­kun­gen verzögern Zah­lungs­ab­wick­lung

Senkungen der Mindestreservesätze beschleunigen Zahlungen nicht, sondern verlagern hohe Beträge in die Abendstunden. Eine BIZ-Studie zum kolumbianischen Zahlungssystem CUD zeigt dieses Verhalten für Reformen von 2020 und 2024.

Liquiditätsschub wandert in den Geldmarkt

Die Senkungen der Mindestreservesätze in Kolumbien im April 2020 und September 2024 führten zu einer systematischen Verlagerung der Zahlungsabwicklung in spätere Tagesstunden.

Obwohl die Reform von 2024 rund 6 Billionen kolumbianische Pesos an Bankreserven freisetzte, beschleunigte dies den Zahlungsverkehr nicht flächendeckend.

Bei Transaktionen ab dem 40. Perzentil des täglichen Gesamtwerts stiegen die Abwicklungszeiten im System CUD signifikant an.

Statt freigesetzte Liquidität sofort für Abrechnungen einzusetzen, nutzen Institute die Mittel vorrangig für kurzfristige Geldmarktgeschäfte.

Erst gegen Handelsschluss werden großvolumige Verpflichtungen beglichen – selbst im teureren Zeitfenster ab 17:01 Uhr, in dem variable Gebühren anfallen.

Gefangen im Netz der Großbanken

Die Effekte treffen die Institute ungleich: Während kleinere Banken durch zusätzliche Liquidität Beträge im unteren Wertbereich früher abwickeln, verzögern Großbanken hohe Summen systematisch.

Zudem verstärkte die Einführung des neuen Zentralverwahrers DCV im April 2024 diesen Trend.

Zahlungen im unteren Bereich werden seither rascher ausgeführt, während sich Spitzenbeträge am Abend stauen.

Eine stärkere Nutzung von Repo-Geschäften verzögert morgendliche Zahlungen zusätzlich, stabilisiert aber das Tagesende.

Gefährliche Ballung am Feierabend

Mehr Liquidität beschleunigt Zahlungssysteme nicht automatisch, sondern verleitet Banken zur Renditejagd im Tagesverlauf.

Großinstitute optimieren Zinserträge und schieben operative Risiken in die späten Abendstunden.

Regulierer müssen erkennen, dass lockere Reserven ohne zeitliche Anreize die Anfälligkeit vor Handelsschluss erhöhen.

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