US-Erfindungen driften seit 1836 im Ideenraum auseinander
Eine Studie der Fed Philadelphia und der BIZ zeigt, dass US-Patente seit 1836 zunehmend unähnlicher werden. Diese räumliche Entzerrung im Ideenraum erklärt etwa 40 Prozent des langfristigen Rückgangs der US-Forschungsproduktivität durch geschwächte Wissens-Spillovers.
Das Wachstum des Ideenraums
Anhand von über 11 Millionen US-Patenten aus den Jahren 1836 bis 2023 belegen die Forscher Ina Ganguli, Jeffrey Lin, Vitaly Meursault und Nicholas Reynolds eine kontinuierliche Abnahme der technologischen Ähnlichkeit.
Der Befund wird durch einen Rückgang der Patent-Interferenzen – Fälle zeitgleicher, unabhängiger Erfindungen – um mehr als 98 Prozent gestützt.
Die methodische Validierung erweist sich als entscheidend: Während traditionelle TF-IDF-Modelle fälschlicherweise eine steigende Ähnlichkeit signalisieren, zeigen moderne neuronale Sprachmodelle wie GTE ein Absinken der Ähnlichkeit um 1,5 Standardabweichungen.
Erfinder weichen direktem Wettbewerb gezielt aus.
Pioniergeist mit Schattenseiten
Ein räumliches Wettbewerbsmodell liefert den theoretischen Unterbau für diese Dynamik.
Steigende Einstiegskosten veranlassen Erfinder dazu, sich im Ideenraum weiter voneinander zu entfernen, um lokale Marktmacht und höhere Patentwerte zu sichern.
Diese räumliche Isolierung führt zwar zu höheren F&E-Ausgaben pro Erfindung, schmälerte jedoch den aggregierten Wissensaustausch.
Die Abnahme lokaler Wissens-Spillovers erklärt laut Modellrechnung rund 40 Prozent des seit Jahrzehnten beobachteten Rückgangs der US-Forschungsproduktivität.
Geografie schlägt reine Erfinderzahl
Die Studie ordnet das Rätsel schwindender Forschungsproduktivität überzeugend neu ein.
Methodisch setzt die Arbeit durch die Validierung von KI-Sprachmodellen wichtige Maßstäbe.
Politisch zeigt sich: Nicht nur die Forscherzahl zählt, sondern vor allem deren Standort im Ideenraum.
Quelle: Spreading Out Across Expanding Idea Space
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