Nagel fordert integrierte Finanzmärkte statt weniger Bankkapital
Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, fordert integrierte Finanzmärkte und einfachere Bankenregeln ohne schwächere Kapitalpuffer. Laut Draghi-Bericht braucht Europa bis 2030 jährlich 750 bis 800 Mrd. Euro zusätzlich für KI, Energie und Dekarbonisierung.
Ersparnisse über Grenzen hinweg mobilisieren
Die Spar- und Investitionsunion soll privates Kapital für Unternehmen mobilisieren.
Nagel nennt Verbriefungen, integrierte Handels- und Abwicklungsinfrastrukturen, Tokenisierung, Wagniskapital, harmonisierte Aufsicht sowie Altersvorsorge und Finanzbildung.
Die Europäische Kommission legte im Juni 2025 eine Verbriefungsreform und Ende 2025 ein Marktintegrations- und Aufsichtspaket vor; der EU-Finanzministerrat erzielte dazu eine allgemeine Einigung.
Im März 2026 folgte der Vorschlag zum 28. Rechtsregime für Unternehmen.
Dessen Ausgestaltung soll bis Ende 2026 vereinbart sein, die Verbriefungsreform Anfang 2027 gelten.
Nagel fordert zudem eine gemeinsame Einlagensicherung und grenzüberschreitende Kapital- und Liquiditätssteuerung mit Schutzvorkehrungen für Tochterbanken.
Kapitalstärke ist kein Wettbewerbsnachteil
Europas Banken bewährten sich laut Nagel während der Verwerfungen im Frühjahr 2023 und verfügen auch 2026 über starke Kapital- und Liquiditätspuffer.
Studien der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesbank zeigen: Mehr Eigenkapital senkt Zinskosten und Ertragsschwankungen.
Als strukturelle Nachteile nennt er fragmentierte Märkte und widersprüchliche nationale Regeln.
Die 2025 vom EZB-Rat eingesetzte Vereinfachungsgruppe empfiehlt weniger Elemente im Kapitalrahmen.
Das Eurosystem brachte die Vorschläge im April 2026 ein; die Kommission plant Gesetzesvorschläge für das erste Quartal 2027.
Einfacher heißt nicht weniger Kapital
Nagels Maßstab bleibt die Widerstandsfähigkeit der Banken, nicht eine pauschale Entlastung beim Eigenkapital.
Für kleine, risikoarme Institute schlagen deutsche Aufseher weniger risikogewichtete Vorgaben gegen eine höhere Verschuldungsquote vor.
Die Vereinfachung tauscht damit Berechnungsaufwand gegen mehr Kernkapital.