LLM-Screening deckt Abweichungen in AT1-Prospekten auf
Ein neues Prüfverfahren auf Basis großer Sprachmodelle gleicht Anleiheprospekte automatisch mit Kapitalregeln ab. Eine BIZ-Studie identifiziert bei zehn europäischen Großbanken 79 wiederkehrende Klausel-Abweichungen bei AT1-Papieren.
Fünf Abweichungstypen und 79 Treffer
Ökonomen der BIZ haben ein automatisiertes Screening-Verfahren entwickelt, das Vertragsklauseln in Emissionsprospekten mit aufsichtsrechtlichen Kapitalvorgaben vergleicht.
Das Modell ordnet potenzielle Diskrepanzen fünf Kategorien zu: Verengung, Erweiterung, Auslassung, Mehrdeutigkeit und Widerspruch.
Bei der Untersuchung von AT1-Anleihen von zehn europäischen global systemrelevanten Banken aus der EU, Großbritannien und der Schweiz filterte das System nach fünf Durchläufen 79 hochgradig wiederkehrende Abweichungen heraus.
Rund zwei Drittel der identifizierten Textunterschiede konzentrieren sich auf mechanische Verlustabsorptions-Trigger sowie Bestimmungen zum Point of Non-Viability.
Die Rangfolge ermöglicht es Aufsehern, gezielt rechtliche Prüfungen anzusetzen.
Die Fälle Credit Suisse und Yes Bank
Die Autoren validierten das Modell anhand historischer Fälle.
Bei der Credit Suisse erkannte das System die Klausel, die staatliche Notfallhilfe an eine Verbesserung der Eigenkapitalausstattung knüpfte – genau dieser Passus war bei der Abschreibung von AT1-Papieren über 16,5 Milliarden Franken im März 2023 rechtlich umstritten.
Bei der indischen Yes Bank deckte das LLM Widersprüche in der Verlustreihung auf, die im März 2020 zur Abschreibung von Tranchen über rund 1,1 Milliarden Dollar führten.
Ein Werkzeug, kein Richter
Automatisierte Textanalysen entlasten Aufseher spürbar bei der Prospektprüfung.
Die juristische Einordnung, ob ein Passus regulatorische Vorgaben verletzt, bleibt jedoch menschliche Facharbeit.
Zur frühzeitigen Erkennung von Vertragslücken vor einer Krise ist das Verfahren ein echter Gewinn.