Nagel fordert Entlastung kleiner Banken und Marktintegration
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat in London mehr Marktintegration und einfachere Regeln für europäische Banken verlangt. Am 1. Oktober 2026 betonte er beim OMFIF-Treffen, dass mangelnde Skaleneffekte die Institute gegenüber US-Rivalen belasten.
Mehr Eigenkapital schwächt die Rendite nicht
Europäische Banken sind krisenfest, bleiben jedoch bei der Rentabilität hinter US-Konkurrenten zurück.
Zwar sinken notleidende Kredite und Kostenquoten, US-Institute weisen jedoch dauerhaft höhere Nettozinsmargen sowie bessere Kurs-Buchwert-Verhältnisse auf.
Höheres regulatorisches Eigenkapital sei dafür nicht verantwortlich: „Solide kapitalisierte Banken sind bessere Banken“, betonte Nagel mit Verweis auf Untersuchungen von BIZ, EZB und Bundesbank.
Höhere Kapitalpuffer senken Zinsaufwendungen und dämpfen Ertragsschwankungen, was die Finanzierungskosten verringert.
Der eigentliche Wettbewerbsnachteil liege in der anhaltenden Zersplitterung der europäischen Finanzmärkte, die Skaleneffekte verhindert.
Ausnahmen für Regionalbanken gefordert
Nagel fordert Reformen an zwei Fronten: die Vertiefung der Kapitalmärkte über die Spar- und Investitionsunion sowie bürokratische Entlastungen für kleinere Institute.
Die von der EU-Kommission für Anfang 2027 geplanten Regeländerungen bevorzugten tendenziell grenzüberschreitend aktive Großbanken.
Kleine Institute mit geringerem Risikoprofil bräuchten dagegen echte Proportionalität.
Zudem mahnte Nagel zur Vorsicht vor Nichtbanken, die inzwischen die Hälfte der weltweiten Finanzaktiva halten: Deutsche Institute halten 14 Prozent ihrer Bilanzaktiva als Forderungen gegen diesen Sektor.
Richtig erkannt, schwer umsetzbar
Nagels Plädoyer für regulatorische Vereinfachung trifft den wunden Punkt der europäischen Bankenunion.
Doch der Spagat zwischen Großbanken-Förderung und dem Schutz regionaler Institute droht die anstehende EU-Reform zu blockieren.
Solange die Kapitalmärkte zersplittert bleiben, verpuffen selbst gezielte bürokratische Entlastungen.