60 Prozent des EU-Investmentbankings in ausländischer Hand
Europäische Banken verlieren im Firmenkundengeschäft den Anschluss: Drittstaaten-Institute stellen inzwischen 60 Prozent der Corporate- und Investmentbanking-Dienstleistungen in der EU. Eine Rede in Dublin fordert nun Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit.
Drittstaaten dominieren das Firmenkundengeschäft
Trotz historisch hoher Kernkapitalquoten und robuster Liquiditätspuffer verliert der europäische Bankensektor gegenüber der globalen Konkurrenz an Boden.
Ausländische Institute aus Drittstaaten erbringen inzwischen 60 Prozent aller Corporate- und Investmentbanking-Dienstleistungen für europäische Kunden.
15 Jahre regulatorische Reformen haben zwar die Widerstandskraft und Stabilität des Sektors gestärkt, reichen für die Finanzierung strategischer Prioritäten jedoch nicht aus.
Neben dem Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft und der Digitalisierung steht vor allem die Finanzierung der europäischen Verteidigung im Fokus.
Um die wirtschaftliche Souveränität zu sichern, muss der europäische Bankenmarkt daher grundlegend reformiert werden.
Drei Säulen für die Bankenunion
Für die Vollendung der Bankenunion stehen drei Hebel im Mittelpunkt: Zunächst soll die Marktfragmentierung abgebaut werden, um grenzüberschreitende europäische Bankengruppen zu ermöglichen.
Zudem gilt es, das bestehende Aufsichtsregelwerk spürbar zu vereinfachen, ohne dabei die erreichte Stabilität oder internationale Wettbewerbsstandards zu gefährden.
Schließlich müssen die Rahmenbedingungen gezielt an den realen Kapitalbedarf der europäischen Wirtschaft angepasst werden.
Stabilität allein schafft keine Marktführer
Die Einsicht kommt spät, markiert aber einen überfälligen Paradigmenwechsel in der europäischen Finanzpolitik.
Ein krisenfestes Bankensystem nützt wenig, wenn lukrative Großmandate fast vollständig an US-Konzerne abwandern.
Ohne echten Binnenmarkt bleibt der Ruf nach strategischer Souveränität reine Rhetorik.