BIS-Chef fordert effektivere Bankenaufsicht
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BIS-Chef fordert effektivere Bankenaufsicht

BIS-Generaldirektor Pablo Hernández de Cos mahnt zu effektiverer Bankenaufsicht. Die Bankenturbulenzen von 2023 zeigten, dass qualitative Mängel oft zu spät adressiert werden.

Qualitative Mängel als Wurzel des Übels

Die Bankenturbulenzen im März 2023 offenbarten kritische Lehren: Banken scheiterten trotz Kapital- und Liquiditätsanforderungen.

Die Hauptursachen waren qualitative Schwächen wie schlechte Governance, mangelhaftes Risikomanagement und nicht nachhaltige Geschäftsmodelle.

Diese Mängel manifestierten sich schließlich in quantitativen Schocks wie Liquiditätsengpässen.

Post-Mortem-Analysen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS) und der FINMA identifizierten konsistente Verzögerungen bei der Behebung dieser Schwächen, selbst bei vorhandenen Frühwarnzeichen.

Daher ist die Stärkung der Aufsichtseffektivität eine zentrale Lehre.

Qualitative Instrumente sind hierbei unerlässlich, da sie vorausschauend wirken und Urteilsvermögen erfordern, um Risiken zu adressieren, bevor sie sich finanziell manifestieren.

Prozesslücken und die Kunst des Urteils

Der Aufsichtsprozess weist mehrere Lücken auf.

Beim Risikoskopieren können grundlegende Governance- und Geschäftsmodellprobleme übersehen werden.

Bei der Risikobewertung maskieren starke Finanzleistungen oft zugrundeliegende Schwächen, was zu günstigeren Ratings und verzögerten Maßnahmen führt.

Auch die Umsetzung ist eine Herausforderung, da Aufsichtsbehörden oft zögern, formelle Schritte einzuleiten, aus Sorge vor rechtlichen Anfechtungen.

Informelle Werkzeuge dominieren, denen es jedoch an Dringlichkeit und klaren Konsequenzen mangelt.

Urteilsvermögen ist die Grundlage der Aufsicht, erfordert aber das Akzeptieren von Risiken.

Risikobereitschaftsrahmen können helfen, diese Herausforderung zu managen, indem sie die Toleranz für Aufsichtsrisiken definieren und Proportionalität institutionalisieren.

Mut zur Lücke – und zum Handeln

Hernández de Cos' Rede ist ein klares Plädoyer für eine proaktivere und mutigere Bankenaufsicht.

Es geht nicht nur um die richtigen Werkzeuge, sondern vor allem um die Bereitschaft, diese frühzeitig und entschlossen einzusetzen, auch wenn dies Risiken birgt.

Klare Risikobereitschaftsrahmen und Eskalationsprozesse sind entscheidend, um die Aufsicht aus ihrer defensiven Haltung zu befreien und systemische Risiken effektiver zu managen.

Quelle: The quest for supervisory effectiveness

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