Trafalgar-Schlacht löste globale Liquiditätskrise aus
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Trafalgar-Schlacht löste globale Liquiditätskrise aus

Die Schlacht von Trafalgar 1805 löste eine schwere Liquiditätskrise in Europa aus. Eine neue BIZ-Studie zeigt, wie der Silbermangel die Banque de France zu drastischen Kreditsenkungen zwang und 20 Pariser Banken in den Ruin trieb.

Silbermangel als Krisen-Katalysator

Die Schlacht von Trafalgar im Jahr 1805 hatte weitreichende monetäre Folgen für Europa.

Eine neue Studie der BIZ beleuchtet, wie der britische Seesieg die atlantischen Handelsrouten für Spanien blockierte und Europa den Zugang zu lateinamerikanischem Silber abschnitt.

Dieses Silber war zu jener Zeit das entscheidende Hochleistungsgeld und die globale Liquidität schlechthin.

Der daraus resultierende Silbermangel löste eine akute Finanzkrise aus.

Die Banque de France reagierte drastisch: Innerhalb von drei Monaten kürzte sie ihre Kreditvergabe um fast 50 Prozent, um Edelmetalle zu horten und den Wert ihrer Banknoten zu stabilisieren.

Diese bewusste Kreditverknappung führte zum Kollaps des Kreditmarktes und zum Scheitern von mindestens 20 Pariser Banken.

Die europäischen Finanz- und Geldmärkte erlebten daraufhin erheblichen Stress, der sich in steigenden Silberpreisen und Druck auf die Metallreserven anderer Zentralbanken, wie der Banco de San Carlos in Madrid, manifestierte.

Die Krise verdeutlicht, dass der Status eines sicheren Vermögenswerts sowohl eine robuste Versorgung als auch die Glaubwürdigkeit seines Emittenten erfordert.

Historische Parallelen zur heutigen Zeit

Die Studie ordnet die Krise von 1805-1806 in den Kontext der hierarchischen Natur des Geldes ein.

Spanische Silbermünzen waren damals das ultimative sichere Asset und die globale Liquidität schlechthin.

Der Verlust der Kontrolle über den Atlantik nach Trafalgar bedeutete für Frankreich und Spanien den Verlust der Kontrolle über diese entscheidende globale Liquidität.

Die junge Banque de France, erst fünf Jahre alt und mit begrenzter Glaubwürdigkeit, sah sich ohne klare fiskalische Rückendeckung einem Ansturm gegenüber.

Ihre Reaktion, Silber zu horten, um die eigenen Reserven zu schützen, verschärfte den Liquiditätsmangel in Kontinentaleuropa.

Die Autoren ziehen Parallelen zur Gegenwart: Das Horten von Silber durch die Banque de France spiegelt sich im jüngsten Anstieg des Goldanteils an den Zentralbankreserven nach den Russland-Sanktionen von 2022 wider und wirft Fragen zur Verlässlichkeit der Dollar-Liquidität in Krisenzeiten auf.

Alte Lehren für neue Krisen

Die historische Analyse der Trafalgar-Krise liefert erstaunlich aktuelle Erkenntnisse für die moderne Geldpolitik.

Sie unterstreicht, dass die Stabilität eines globalen Leitwährungs-Assets nicht nur von seiner physischen Verfügbarkeit, sondern auch von der unerschütterlichen Glaubwürdigkeit seines Emittenten abhängt.

Für Zentralbanken bedeutet dies, dass Vertrauen in ihre Institution entscheidend ist, um auch in zukünftigen Krisen die Fähigkeit zur Bereitstellung sicherer Liquidität zu bewahren.

Quelle: The Trafalgar squeeze of global liquidity

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