Demarco fordert mehr Produktivität statt mehr Arbeitskräfte
Alexander Demarco, Gouverneur der Zentralbank von Malta, fordert angesichts von Arbeitskräftemangel mehr Qualifizierung und Technologieinvestitionen. Er sprach am 5. Oktober 2026 in Valletta über Maltas Entwicklung vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland.
Wohlstand verändert die Migrationsrichtung
Maltas reales BIP je Einwohner stieg seit 1960 auf das 17-Fache: von gut 2.000 Euro auf knapp 35.000 Euro 2025.
Demarco zufolge lösten exportorientierte Dienstleistungen die Abhängigkeit vom britischen Marinestützpunkt ab, der vor seiner Auflösung über ein Viertel der Beschäftigung stellte.
Zwischen 1948 und 1967 wanderten fast 90.000 Menschen aus, etwa ein Drittel der Bevölkerung.
Der Anteil ausländischer Staatsbürger stieg dagegen von unter 2 Prozent 1995 auf fast 30 Prozent 2025.
Die Wohneigentumsquote erhöhte sich von 32 Prozent 1967 auf 82 Prozent 2024.
Bankeinlagen des Nichtbankensektors wuchsen von 0,4 Milliarden Euro 1970 auf 24,9 Milliarden Euro 2025; inflationsbereinigt entsprach dies nahezu einer Verzwölffachung.
Betreuung und Rentenanreize mobilisieren Beschäftigte
Seit 2014 bietet Malta kostenlose Betreuung für Kinder von drei Monaten bis drei Jahren, deren Eltern arbeiten oder eine Ausbildung absolvieren.
Der Beschäftigungsabstand zwischen Vätern und Müttern mit einem Kind sank von 33,4 Prozentpunkten 2013 auf 15,4 im Jahr 2025; bei mindestens drei Kindern von 49,8 auf 27,5. Ein Rentenaufschub bringt bis zu 29 Prozent Zuschlag.
Der Anteil der Frühverrentungen mit 61 Jahren sank seit 2016 von 25 auf 15 Prozent.
Sozialleistungen laufen bei Arbeitsaufnahme über drei Jahre aus; die Beschäftigungswahrscheinlichkeit nach Leistungsbezug verdoppelte sich laut Sant.
Produktivität statt zusätzlicher Arbeitskräfte
Demarco sieht bei einer Geburtenrate um 1,0 Grenzen für weiteres arbeitskräftegetriebenes Wachstum.
Auf gut 300 Quadratkilometern Fläche verschärft die hohe Arbeitsnachfrage bereits Überlastungen.
Er fordert deshalb Anreize für Qualifizierung und Technologie sowie einen ganzheitlichen Migrationsansatz.
IN: