Volatile Zahlungsströme treiben Nachfrage nach Überschussreserven
BIS Paper

Volatile Zahlungsströme treiben Nachfrage nach Über­schuss­re­ser­ven

Banken halten teure Überschussreserven vor allem zur Absicherung gegen volatile Zahlungsströme und bei trägem Interbankenhandel. Eine BIZ-Studie auf Basis schwedischer Mikrodaten zeigt, dass nicht Liquiditätsregeln, sondern Marktstrukturen die Nachfrage nach Zentralbankguthaben bestimmen.

Vorsicht schlägt Renditeverzicht

Während Zentralbanken ihre Bilanzen nach den Anleihekaufprogrammen verkleinern, analysiert ein Arbeitspapier der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die Treiber individueller Reservenachfrage.

Auf Basis wöchentlicher Gebote schwedischer Institute bei der Riksbank zeigt sich: Banken parken erhebliche Mittel bei der Notenbank, obwohl dies mit Zinsverzicht verbunden ist.

Für Institute mit Zugang zum Geldmarkt steigen die Überschussreserven bei hoher Volatilität der Zahlungsflüsse und teurerer Refinanzierung.

Bei geringer Marktaktivität legen Banken zusätzliche Vorsichtspolster an, da Gegenparteien fehlen.

Dagegen gibt es keine Evidenz, dass regulatorische Liquiditätsvorschriften die Nachfrage erhöhen.

Zwei­klas­sen­ge­sell­schaft im Geldmarkt

Die Studie legt eine ausgeprägte Spaltung des Geldmarkts offen.

Eine feste Gruppe von Instituten nimmt nie am Interbankenhandel teil, sondern hält dauerhaft hohe Zentralbankreserven, die bei schwankenden Zahlungsflüssen noch ausgeweitet werden.

Diese Marktfragmentierung verhindert eine effiziente Umverteilung von Liquidität im Bankensystem.

Für Zentralbanken hat dies direkte Konsequenzen: Bei nachfragegesteuerten Untergrenzensystemen verbleiben Reserven ungenutzt in Nischen, was den Mindestbedarf an Notenbankliquidität erhöht.

Illusion des perfekten Marktes

Die Annahme, dass Liquiditätsregeln die Reservenachfrage dominieren, greift nach diesen Daten schlicht zu kurz.

Echte Marktstrukturen und fehlendes Vertrauen im Interbankenhandel erzwingen deutlich höhere Puffer als gedacht.

Zentralbanken müssen sich darauf einstellen, dass ihre Bilanzen dauerhaft größer bleiben müssen.

Quelle: What determines banks' excess demand for reserves?

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