BOC-Modell: Naturkatastrophen erzwingen geldpolitischen Trade-off
Naturkatastrophen wirken in kleinen offenen Volkswirtschaften wie angebotsseitige Schocks, die Output senken und Inflation treiben. Eine neue Studie der Bank of Canada (BOC) quantifiziert diese Zielkonflikte mittels eines DSGE-Modells.
Zwischen Inflation und BIP-Verlust
Extremwetterereignisse zerstören Kapital, stören Lieferketten und belasten den Rohstoffsektor.
Die BOC-Forscher Tatjana Dahlhaus, Malik Shukayev und Alexander Ueberfeldt zeigen in ihrem Working Paper 2026-28, dass die meisten Katastrophen das Angebot verknappen und die Teuerung moderat anheizen.
Dies stellt Zentralbanken vor einen harten Zielkonflikt: Eine Zinserhöhung dämpft zwar die Inflation, verschärft aber die Output-Verluste.
Umgekehrt riskiert eine akkommodierende Haltung eine Verfestigung der Preissteigerungen.
Besonders rohstoffintensive Länder wie Kanada leiden unter diesen Spillover-Effekten.
Historische Episoden im Modell
Die Autoren kalibrieren ihr Modell anhand historischer Extremereignisse wie dem Eissesturm von 1998, den Überschwemmungen in Alberta 2013 oder dem Fort-McMurray-Wildfeuer 2016.
Während inländische Katastrophen die Wirtschaft belasten, kann ein externer Schock wie US-Hurrikane kurzfristig sogar positive Nettoeffekte bringen: Höhere globale Energiepreise steigern Kanadas Exporteinnahmen und Terms of Trade.
Langanhaltende Dürren hingegen verschärfen den geldpolitischen Trade-off über mehrere Jahre hinweg erheblich.
Klimawandel als Dauertest
Die Studie liefert dringend benötigte Einblicke in die makroökonomischen Folgeschäden von physischen Klimarisiken.
Methodisch überzeugt das offene DSGE-Modell durch die passgenaue Berücksichtigung des Rohstoffsektors.
Für die Geldpolitik bedeutet dies, dass künftig mit deutlich volatileren Zielkonflikten zu rechnen ist.