Rogers sieht Zinspolitik als ungeeignet gegen teures Wohnen
Die Bank of Canada kann die Wohnungsnot nicht über Leitzinsen lösen, warnt Vize-Gouverneurin Carolyn Rogers in Victoria. Zinsen seien ein zu stumpfes Instrument, um gezielt gegen überhitzte Immobilienpreise vorzugehen.
Kapital fließt in Beton statt Innovation
In ihrer Rede in Victoria legte Carolyn Rogers dar, dass die Geldpolitik die strukturellen Probleme am kanadischen Immobilienmarkt nicht beheben kann.
Leitzinsen wirken auf die Gesamtwirtschaft, können aber weder Genehmigungen beschleunigen noch neuen Wohnraum bauen.
Rogers betonte die Risiken der Fehlallokation: Im Jahr 2000 machten Wohnungsbauinvestitionen 4,3 Prozent des BIP aus und Unternehmensinvestitionen 8,3 Prozent – heute hat sich dieses Verhältnis umgekehrt.
Zudem hängen rund 50 Prozent aller Bankkredite an Wohnimmobilien.
Eine gezielte Zinspolitik gegen Immobilienpreise würde unweigerlich Kollateralschäden in anderen Wirtschaftsbereichen verursachen.
Stresstests schützen Banken, nicht Käufer
Die Vize-Gouverneurin verwies auf 15 Jahre Regulierungserfahrung von British Columbia über die Bankenaufsicht OSFI bis zum Basler Ausschuss.
Zwar bewährte sich der 2017 eingeführte Hypotheken-Stresstest bei den jüngsten Zinsanstiegen, doch keine Aufsichtsmaßnahme stoppte den Preisanstieg von rund 50 Prozent während der Pandemie.
Auch eine veränderte Erfassung von Wohnkosten im Verbraucherpreisindex löst das Problem nicht: Höhere Zinsen treiben kurzfristig die erfassten Hypothekenkosten.
Zentralbanken bauen keine Häuser
Rogers liefert ein realistisches Eingeständnis der geldpolitischen Grenzen bei struktureller Wohnungsnot.
Die Notenbank nimmt damit folgerichtig Politik und Kommunen für das mangelnde Angebot in die Pflicht.
Für Banken und Investoren ist klar: Die Geldpolitik wird sich nicht als Immobilienretter instrumentalisieren lassen.
Quelle: Canada’s housing affordability dilemma
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