Bevölkerungswachstum in Kanada fällt auf 0,5 Prozent
In Kanada verlangsamte sich das Bevölkerungswachstum 2025 auf 0,5 Prozent – der schwächste Wert seit über einem Jahrhundert. Laut der Bank of Canada verändern Überalterung und sinkende Zuwanderung Arbeitsangebot, Konsum und das Produktionspotenzial.
Tiefstand nach 150 Jahren Wachstum
Mehr als 150 Jahre lang wuchs Kanadas Bevölkerung ausnahmslos in jedem Kalenderjahr.
Im Jahr 2025 fiel das Wachstum auf 0,5 Prozent – die niedrigste Rate seit mehr als einem Jahrhundert.
Dieser Rückgang markiert einen strukturellen Wendepunkt für das Land: Seit über 50 Jahren liegt die Geburtenrate unter dem Niveau, das für den Bestandserhalt der Bevölkerung nötig wäre.
Während das Medianalter im Jahr 1971 noch bei 26,1 Jahren lag, liegt es inzwischen bei über 40 Jahren.
Die geburtenstarke Generation der Babyboomer erreicht nun das Rentenalter.
Gleichzeitig reduziert die Bundesregierung die Zuwanderung von Arbeitskräften, nachdem die Bevölkerung Anfang der 2020er-Jahre noch um bis zu 3,0 Prozent pro Jahr gewachsen war.
Verschobene Nachfrage und engere Märkte
Die demografische Verschiebung verändert die Struktur der Gesamtwirtschaft nachhaltig.
Geringere Zuwanderung dämpft zwar den Preisdruck am Wohnungsmarkt, verkleinert aber zugleich das Arbeitskräfteangebot in Branchen wie der Landwirtschaft.
Zeitgleich verschiebt sich die Konsumnachfrage: Rentner fragen weniger Güter, dafür mehr Gesundheitsdienstleistungen und Freizeitangebote nach.
Engpässe am Arbeitsmarkt könnten zudem Löhne und Preise treiben.
Für die Geldpolitik ist entscheidend, wie diese Dynamik das Inflationsziel von 2,0 Prozent beeinflusst.
Struktureller Gegenwind für das Potenzial
Die Zentralbank benennt nüchtern die Grenzen der Geldpolitik bei demografischen Realitäten.
Ein schrumpfendes Erwerbspersonenpotenzial drückt das kanadische Trendwachstum spürbar nach unten.
Zinspolitik kann diesen Strukturwandel nicht verhindern, sondern lediglich Preisrisiken steuern.