US-Zölle von 25 Prozent erhöhen Kanadas Preise um 0,66 Prozent
BOC Studie

US-Zölle von 25 Prozent erhöhen Kanadas Preise um 0,66 Prozent

Ein Vergeltungszoll von 25 Prozent auf US-Importe erhöht das kanadische Preisniveau lediglich um 0,66 Prozent statt der rein kostenbasiert erwarteten 1,25 Prozent. Eine Studie der Bank of Canada führt dies auf Konsumentensubstitution und sinkende Aufschläge betroffener Firmen zurück.

Reale Teuerung halbiert Modellprognosen

Die Ökonomen Christian Bustamante, Jacob Short und ihr Team analysieren die aggregierten Preiseffekte von Zöllen anhand kanadischer Unternehmensdaten.

Ein flächendeckender Zusatzzoll von 25 Prozent auf US-Waren steigert den aggregierten Preisindex um 0,66 Prozent – deutlich weniger als der direkte Kostenschub von 1,25 Prozent nahelegt.

Für diese Differenz sorgt primär das Ausweichen der Verbraucher auf Produkte anderer Herkunftsländer, was den Preisanstieg um 0,47 Prozentpunkte dämpft.

Zudem reduzieren betroffene US-Exporteure ihre Gewinnmargen, was weitere 0,26 Prozentpunkte abfedert.

Zusammen neutralisieren Substitution und Margenkompression rund die Hälfte des direkten Kosteneffekts.

Nichtlinearität und Sek­tor­un­ter­schie­de

Die Verzerrung klassischer Schätzmodelle wächst mit der Höhe des Zollsatzes überproportional: Bei einem Zollsatz von 50 Prozent überschätzt ein linearer Ansatz den tatsächlichen Preisanstieg von 0,88 Prozent mit prognostizierten 1,86 Prozent um mehr als das Doppelte.

Zudem zeigen sich deutliche Branchenunterschiede.

Während in der Chemieindustrie mit hohem US-Importanteil sinkende Gewinnmargen die Kosten um 32 Prozent dämpfen, kehrt sich der Effekt im Bergbau und Energiesektor um.

Dort nutzen heimische Anbieter ihre Marktmacht und heben Margen um 12 bis 21 Prozent an.

Rechnen nach Lehrbuch führt in die Irre

Die Studie entlarvt statische Daumenregeln zur Zollinflation als grobe Verzerrung.

Zentralbanken und Regierungen überschätzen den Preisdruck von Handelskriegen drastisch, wenn sie Ausweichreaktionen ignorieren.

Wer handelspolitische Gegenmaßnahmen rein additiv modelliert, steuert geldpolitisch an der Realität vorbei.

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