Finanzkrisen kosten entweder Arbeitsplätze oder Reallöhne
Erholungen nach Finanzkrisen verlaufen bei niedriger Inflation ohne Beschäftigungswachstum, bei hoher Inflation dagegen ohne Lohnzuwächse. Dies belegen Guillermo Calvo, Emilio Colombi, Fabrizio Coricelli und Pablo Ottonello in einer Analyse von Rezessionen aus acht Jahrzehnten.
Zwei Pfade der Krisenanpassung
Die Analyse von 143 Rezessionen in 23 Industriestaaten und 196 Episoden in 35 Schwellenländern offenbart zwei gegensätzliche Anpassungsmuster nach Finanzkrisen.
In Industrieländern kehrt die Wirtschaftsleistung zwar auf das Vorkrisenniveau zurück, die Pro-Kopf-Beschäftigung verharrt jedoch im Schnitt 3,4 Prozent darunter.
Arbeitsstunden sinken um 5,1 Prozent, während die Arbeitslosenquote um 2,6 Prozentpunkte steigt und Reallöhne um 2,4 Prozent zulegen.
In Schwellenländern mit Inflationsschüben von über 9 Prozentpunkten zeigt sich das umgekehrte Bild: Die Beschäftigung erholt sich vollständig mit einem leichten Plus von 0,6 Prozent, doch die Reallöhne brechen um 12,1 Prozent ein.
Rigide Löhne und teure Kredite
Verantwortlich für diese Spaltung sind Kreditmarktstörungen und nach unten starre Nominallöhne.
Wenn Unternehmen Arbeitskosten vorfinanzieren müssen, verteuern gestörte Kreditmärkte den Faktor Arbeit dauerhaft.
Bei niedriger Inflation verhindern starre Nominallöhne eine Anpassung über die Bezahlung, sodass Betriebe Stellen abbauen.
Hohe Inflation hingegen entwertet reale Löhne automatisch, senkt die effektiven Arbeitskosten für Arbeitgeber und ermöglicht so eine rasche Rückkehr zur Vollbeschäftigung.
Bitterer Tauschhandel nach der Krise
Die Befunde entlarven die rasche Pandemie-Erholung als teuer erkauften Kompromiss.
Inflation sicherte zwar Jobs, bürdete die Krisenkosten jedoch über Reallohnverluste voll den Beschäftigten auf.
Für Notenbanken zeigt sich: Preisstabilität und Arbeitsmarkt lassen sich nicht gegeneinander ausspielen.