Parteinahme prägt Makro-, aber keine Mikroerwartungen
Eine neue Studie der Bank of Canada untersucht den Einfluss von Parteinahme auf wirtschaftliche Erwartungen. Anhand von Daten aus zwölf US-Präsidentschaftswahlen seit 1980 zeigt sie, dass Makroerwartungen stark parteipolitisch schwanken, während persönliche Finanzsichten stabil bleiben.
Geteilter Blick auf die Konjunktur
Haushalte blicken durch eine parteipolitische Brille auf die Makroökonomie, während Erwartungen an die eigene Finanzlage in persönlichen Erfahrungen verankert bleiben.
Anhand von Umfragedaten aus zwölf US-Präsidentschaftswahlen seit 1980 weisen die Autoren nach, dass makroökonomische Erwartungen bei Regierungswechseln scharf zwischen Parteianhängern divergieren.
Erwartungen an persönliche Finanzen und Arbeitslosigkeitsrisiken zeigen solche parteigebundenen Sprünge hingegen nicht.
Diese Entkopplung erklärt, warum abrupte Stimmungsumschwünge kaum zu vergleichbaren Veränderungen im Konsumverhalten der Haushalte führen.
Dennoch bleibt die Ungleichheit individueller wirtschaftlicher Erfahrungen die Hauptquelle für unterschiedliche Konjunktureinschätzungen.
Selbstinteresse und politischer Reflex
Das entwickelte Modell verknüpft parteipolitische Voreingenommenheit und Stimmung mit der Extrapolation persönlicher Erfahrungen auf die Gesamtwirtschaft.
Haushalte erwarten von bevorzugten Kandidaten vorteilhafte Maßnahmen und übertragen diese Erwartung auf die Makroebene.
Daten der New Yorker Fed aus den Jahren 2013 bis 2023 bestätigen diesen Mechanismus des Selbstinteresses.
Trotz des Anstiegs der Polarisierung nach 2016 erklären Parteifaktoren weniger als zehn Prozent der Querschnittsstreuung.
Wahrnehmung ist nicht Realität
Die Studie entlarvt die viel zitierten Stimmungskrisen als stark politisch verzerrte Phänomene.
Weil persönliche Finanzsichten stabil bleiben, schlagen sich politische Schwankungen kaum im Konsum nieder.
Analysten sollten makroökonomische Umfragen daher stets um den Faktor Parteinahme bereinigen.