Leitzins unverändert bei 2,25 Prozent trotz Ölschock
Die Bank von Kanada belässt ihren Leitzins bei 2,25 Prozent. Der Rat sieht Anzeichen für eine Konjunkturerholung im zweiten Quartal, mahnt jedoch wegen schwankender Ölpreise und US-Zölle zur Vorsicht.
Erholung nach der Stagnation
Nach einer Phase der Stagnation zwischen Anfang 2025 und Anfang 2026 rechnet der Rat der Bank von Kanada für das zweite Quartal mit einer Erholung des Wirtschaftswachstums auf 2,5 Prozent.
Für das Gesamtjahr 2026 prognostizieren die Währungshüter ein Wachstum von 0,7 Prozent, bevor sich die Dynamik in den Jahren 2027 und 2028 auf jeweils 1,8 Prozent beschleunigen soll.
Hauptauslöser für den jüngsten Inflationsanstieg auf 3,2 Prozent im Mai waren die drastisch gestiegenen Rohölpreise im Zuge des Nahost-Konflikts.
Ohne den Treibstoffsektor lag die Teuerung bei 2,2 Prozent, während die Kerninflation konstant nahe der Zielmarke von 2,0 Prozent verharrte.
Der Rat erwartet ein Einpendeln der Gesamtrate auf das 2-Prozent-Ziel für Anfang 2027.
Zwei Risiken im Blickfeld
Die Beratungen des Gremiums unter Leitung von Gouverneur Tiff Macklem wurden maßgeblich von zwei geopolitischen Risikofaktoren geprägt.
Auf der einen Seite bergen erneute Eskalationen im Nahen Osten und schwankende Energiepreise die Gefahr erneuten Inflationsdrucks.
Auf der anderen Seite belasten die US-Zollpolitik sowie die anhaltende Handelsunsicherheit die Exporte.
Trotz einer leichten Erholung auf dem Arbeitsmarkt mit einer Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent im Juni bleibt die Beschäftigungslage verhalten.
Viele Unternehmen passen jedoch ihre Lieferketten zunehmend an die neuen Handelsbedingungen an.
Gefährlicher Grat zwischen Öl und Zöllen
Die Zinspause ist die einzig vernünftige Reaktion auf das geopolitische Pulverfass und den US-Zollstreit.
Der Rat vermeidet so verfrühte Lockerungen, ohne den noch schwachen Aufschwung abzuwürgen.
Für Anleger bringt dieser Kurs vorerst Orientierung in extrem unsicheren Zeiten.