Rohstoffboom verringert Einkommenslücke
Steigen Rohstoffpreise um 10 Prozent, sinkt die Erwerbseinkommenslücke zwischen höher und geringer Qualifizierten nach vier Jahren um 2,1 Prozent. Das zeigt Emilio Colombis am 16. Oktober 2026 veröffentlichtes Forschungspapier der kanadischen Zentralbank (BoC).
Der Bausektor hebt geringere Löhne
Colombi untersucht Bolivien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Mexiko und Peru mit lokalen Projektionen für 1992–2019.
Nach einem Rohstoffpreisanstieg um 10 Prozent wachsen Investitionen binnen zwei Jahren um rund 10 Prozent; BIP und Konsum steigen um etwa 2 Prozent.
Zinsaufschläge fallen unmittelbar um rund einen Prozentpunkt, der reale Wechselkurs wertet auf.
Die Bauproduktion wächst nach zwei bis drei Jahren um etwa 8 Prozent, Dienstleistungen um 2 Prozent.
Davon profitieren geringer Qualifizierte: Ihre Löhne steigen stärker, während sich Arbeitsstunden zwischen den Gruppen kaum unterschiedlich entwickeln.
Die Einkommenslücke misst das Verhältnis mittlerer Erwerbseinkommen nach Steuern, ohne Transfers.
Der Gini sinkt nach fünf Jahren um rund 1,5 Prozentpunkte.
Staatsfonds verstärkt den Investitionskanal
Im Mehrsektorenmodell schwächt eine Erhöhung der Rohstoffsteuer von 25 auf 100 Prozent den Rückgang der Erwerbseinkommensungleichheit ab: Staatskonsum verdrängt private Investitionen und bremst den Bau.
Transfers wirken unter den Modellannahmen wie Staatskonsum, sofern Beschäftigte alles sofort ausgeben und beide denselben Warenkorb nachfragen.
Spart der Staat dagegen 80 Prozent der zusätzlichen Rohstoffsteuereinnahmen in einem Staatsfonds, verbessert sich die Nettoauslandsposition.
Das senkt Risikoprämien, stärkt Investitionen und vergrößert den Rückgang der Einkommenslücke.
Erwerbseinkommen ist nicht Gesamteinkommen
Die Politikexperimente betreffen Erwerbseinkommen, nicht die gesamte Einkommensverteilung einschließlich Transfers und Kapitalerträgen.
Ihre Ergebnisse gelten unter den jeweiligen Modellannahmen.
Colombi nennt zudem mögliche langfristige Bildungskosten des Baubooms; das Papier vertritt keine offizielle BoC-Position.