Zeitnutzung erklärt 40 Prozent der Konsumreaktion auf Zinsänderungen
Wenn Arbeitsstunden sinken, substituieren Haushalte Konsumausgaben durch eigene Zeit. Eine Studie von Stefano Gnocchi, Daniela Hauser und Laure Simon zeigt, dass dieser Zeitnutzungskanal rund 40 Prozent der Konsumreaktion auf geldpolitische Schocks erklärt.
Eigenleistung statt Geldausgabe
Die Ökonomen Stefano Gnocchi, Daniela Hauser und Laure Simon verknüpfen Daten des American Time Use Survey von 2003 bis 2019 mit Konsumausgaben aus den PCE-Statistiken über zehn Kernaktivitäten hinweg.
Ihr zentrales Ergebnis: In Abschwüngen oder nach Zinserhöhungen brechen reale Ausgaben genau dort am stärksten ein, wo Haushalte vermehrt eigene Zeit investieren.
Bei Aktivitäten wie Gartenarbeit und Instandhaltung (Substitutionselastizität 3,42) sowie Sport (3,08) wird Konsum direkt durch Zeitaufwand ersetzt.
Bei routinierten Tätigkeiten wie Kochen und Putzen liegt die Elastizität hingegen nur bei 1,41, beim Fernsehkonsum bei 1,52. Das gebündelte Portfolio hochzyklischer Aktivitäten weist eine Substitutionselastizität von 3,13 auf, gegenüber 1,62 im niedrigzyklischen Bündel.
Preise erklären die Dynamik nicht
Zur theoretischen Einordnung kalibrieren die Autoren ein Zwei-Sektoren-Neukeynesianisches Modell auf Basis mikroökonomischer Schätzungen.
Preisstarrheiten spielen dabei eine untergeordnete Rolle: Die implizite Preisdauer unterscheidet sich mit 7,4 Monaten im hochzyklischen Bündel (Calvo-Parameter 0,59) kaum von 8,2 Monaten im niedrigzyklischen Bündel (Calvo-Parameter 0,63).
Das Modell belegt, dass die Substitution zwischen Haushaltszeit und Ausgaben allein rund 40 Prozent der unmittelbaren Konsumreaktion auf Zinsschocks erklärt.
Blinder Fleck der Geldpolitik
Die Studie deckt eine Lücke auf, indem sie Haushaltszeit als Konsumfaktor quantifiziert.
Das Modell vernachlässigt jedoch Persistenzfaktoren wie Konsumgewohnheiten oder langlebige Güter.
Für Zentralbanken belegt die Arbeit dennoch, dass reine Ausgabendaten die reale Zinswirkung verzerren.
Quelle: Time Use and Consumption Expenditures
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