Kapitalertragsteuersenkungen steigern Aktienvolatilität um 35 Prozent
Die seit den 1970er-Jahren in den USA durchgeführten Senkungen der Kapitalertragsteuer haben die Volatilität an den Aktienmärkten um 35 Prozent erhöht. Zu diesem Ergebnis kommt ein Arbeitspapier von Pau Belda anhand eines quantitativen allgemeinen Gleichgewichtsmodells.
Wenn Erwartungen auf Preise durchschlagen
Die Untersuchung identifiziert zwei gegenläufige Mechanismen: Steuersenkungen dämpfen zwar Handelsfriktionen und Lock-in-Effekte, verstärken jedoch den Durchgriff subjektiver Erwartungen auf die Bewertungen.
In einem Modell mit lernenden Akteuren und asymmetrischer Verlustverrechnung trieben die US-Steuerkürzungen seit 1975 die Volatilität des Kurs-Dividenden-Verhältnisses netto um 34,4 Prozent nach oben.
Isoliert betrachtet erhöht der Erwartungskanal die Preisschwankungen um rund 50 Prozent, während der Wegfall von Lock-in-Friktionen diesen Anstieg lediglich um 16 Prozentpunkte dämpft.
Auch die Volatilität der Aktienrenditen stieg dadurch um knapp 30 Prozent.
Besteuerung auf Zuwachsbasis statt Transaktionssteuer
Simulationen alternativer Instrumente zeigen deutliche Unterschiede: Eine aufkommensneutrale Reform hin zu einer periodischen Besteuerung unvollendeter Kursgewinne bei durchschnittlich 7,2 Prozent Steuersatz senkt die Bewertungsschwankungen um 20 Prozent.
Eine Finanztransaktionssteuer erweist sich dagegen als zweischneidig.
Zwar reduziert ein Satz unter 2 Prozent die langfristige Streuung, doch höhere Abgaben von 5 Prozent verstärken Fehlbewertungen und treiben die Renditevolatilität auf 18,7 Prozent.
Gezielte Zügel statt grober Bremsen
Die Studie widerlegt die Annahme, Steuersenkungen würden Aktienmärkte per se beruhigen.
Zwar dämpft eine Abgabe auf Buchgewinne spekulative Übertreibungen modelltheoretisch elegant, scheitert in der Praxis jedoch an Liquiditätsengpässen der Anleger.
Steuerregeln wirken dennoch als schärferes Stabilitätsinstrument als oft angenommen.