Straffung treibt britische Käufe und dämpft US-Nachfrage
BOE Studie

Straffung treibt britische Käufe und dämpft US-Nachfrage

Zinserhöhungen treiben die Nachfrage britischer Lebensversicherer nach heimischen Firmenanleihen, senken aber zeitgleich das Engagement von US-Investoren. Eine Studie von Forschern der Bank of England belegt diesen gegenläufigen Effekt anhand von Transaktionsdaten zwischen 2018 und 2022.

Pfund-Käufe steigen, Dollar-Käufe fallen

Die Ökonomen Marcel Brambeer, Michael Joyce und Alex Kontoghiorghes untersuchen anhand von 2.436 Anleihen und 619 Emittenten, wie Zinsschocks zwischen 2018 und 2022 wirken.

Steigt die zehnjährige Gilt-Rendite um einen Prozentpunkt, erhöhen britische Lebensversicherer ihre Nettokäufe von GBP-Unternehmensanleihen nach zwei Monaten um 0,5 Prozentpunkte des ausstehenden Volumens und nach 14 Monaten um rund 2,5 Prozentpunkte.

US-Versicherer drosseln zeitgleich ihre Käufe von USD-denominierten UK-Firmenanleihen nach einem Jahr um rund einen Prozentpunkt.

Bei US-Zinsschocks wiederholt sich das Muster: Ein Anstieg der zehnjährigen Treasury-Renditen um einen Prozentpunkt steigert britische Käufe um 1,2 Prozentpunkte, während US-Akteure ihre Nachfrage um 0,5 Prozentpunkte senken.

Solvency II trifft auf globale Portfolios

Hinter der Asymmetrie stehen regulatorische Vorgaben und Währungspräferenzen.

Britische Lebensversicherer halten 94 Prozent ihrer UK-Firmenanleihen in Pfund, US-Konzerne 98 Prozent in US-Dollar.

Unter Solvency II nutzen britische Häuser das Matching Adjustment: Steigende Renditen verringern deren negative Duration-Lücke und stärken das Eigenkapital, was Umschichtungen in langlaufende Firmenpapiere begünstigt.

US-Versicherer agieren dagegen als globale Portfoliomanager ohne diesen Bilanzanreiz und reagieren bei Zinserhöhungen zudem auf Kündigungsrisiken von Policen.

Der übersehene Puffer

Die Arbeit belegt überzeugend, wie internationale Investoren die heimische Geldpolitik konterkarieren.

Wer geldpolitische Transmissionsmechanismen rein national modelliert, ignoriert erhebliche Gegenkräfte im System.

Für Zentralbanken schmälert dieses Ausweichverhalten die Steuerungswirkung auf die realen Finanzierungsbedingungen spürbar.

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