Mann plädiert für Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte
BoE-Ratsmitglied Catherine Mann hält die Geldpolitik für unzureichend restriktiv und begründet ihre Voten für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Angesichts von Inflationsprognosen über 4,0 Prozent für das erste Quartal 2027 fordert sie straffere reale Finanzierungsbedingungen.
Reale Lockerung hinter nominaler Fassade
Catherine Mann begründet ihr abweichendes Stimmverhalten bei den vergangenen zwei Sitzungen der Bank of England mit verfrühtem Optimismus.
Die Inflation liege seit fünf Jahren über dem Zwei-Prozent-Ziel, und interne Prognosen sagen für das erste Quartal 2027 einen Anstieg auf über 4,0 Prozent voraus.
Zwar strafften sich die nominalen Finanzierungsbedingungen infolge des Nahost-Konflikts, bereinigt um Inflationserwartungen und Risikoprämien blieben die realen Bedingungen jedoch zu locker.
„Unser aktueller geldpolitischer Kurs ist nicht ausreichend restriktiv“, betonte Mann.
Die Notenbank dürfe sich nicht darauf verlassen, dass Marktrenditen die Arbeit erledigen, sondern müsse den Leitzins anheben, um die Glaubwürdigkeit zu sichern.
Die Anatomie der britischen Risikoprämien
Zwischen Markterwartungen und Expertenumfragen klafft eine Rekordlücke: Während Swap-Märkte Zinsanhebungen von über 100 Basispunkten für die nächsten zwölf Monate einpreisen, rechnet die Umfrage unter Marktteilnehmern mit Zinspausen und Senkungen.
Diese Diskrepanz wird maßgeblich durch steigende Laufzeit- und Inflationsprämien getrieben.
Bei britischen Dreijahresanleihen stieg die Laufzeitprämie um 24 Basispunkte – verglichen mit lediglich 4 Basispunkten in Deutschland.
Zudem erhöhte die einstimmige Halteentscheidung vom März 2026 die geldpolitische Unsicherheit.
Gefährliche Illusion der Marktwirkung
Mann entlarvt das Zögern der BoE-Mehrheit als riskantes Spiel mit der Glaubwürdigkeit.
Steigende Marktrenditen spiegeln vor allem Risikoaufschläge wider und ersetzen keine aktive Geldpolitik.
Reagiert der Ausschuss nicht mit Zinserhöhungen, droht eine Entankerung der Erwartungen vor den Lohnrunden 2027.