Bailey warnt vor neuen Fragilitäten am Staatsanleihemarkt
Häufigere Angebotsschocks und fremdfinanzierte Investoren gefährden laut BoE-Gouverneur Andrew Bailey die Finanzstabilität. Am 8. Oktober warnte er in Istanbul vor neuen Bruchlinien an den globalen Staatsanleihemärkten.
Mehr Hebel statt geduldigem Kapital
Trotz der jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und hoher Anleiherenditen bezeichnete Gouverneur Andrew Bailey das Finanzsystem als vorerst widerstandsfähig.
Dies verdanke man den Bankenreformen nach der Finanzkrise von 2008.
Gleichzeitig warnte er vor strukturellen Schwachstellen: An den Staatsanleihemärkten haben fremdfinanzierte Investoren die traditionellen, langfristig orientierten Anleger zunehmend verdrängt.
Zwar absorbiere dieser Wandel zusätzliches staatliches Schuldenvolumen, er erhöhe jedoch die Anfälligkeit für Notverkäufe drastisch.
Kursverluste können Margin Calls und automatisierte Verkäufe auslösen, die Schocks über mehrere Länder und Anlageklassen hinweg verstärken.
Das Dilemma wiederholter Angebotsschocks
Hinter den Marktspannungen stehen zwei fundamentale Faktoren: Ein verlangsamtes Produktivitätswachstum und die Häufung großer Angebotsschocks durch Pandemie, Krieg und Geopolitik.
Für die Geldpolitik entsteht ein Zielkonflikt, da solche Schocks das Wirtschaftswachstum dämpfen, während sie die Inflation antreiben.
Wenn Schocks rasch aufeinanderfolgen, drohen Zweitrundeneffekte bei Löhnen und Preisen.
„Ich bleibe skeptisch gegenüber bedingungslosen Versprechen über künftige Zinssätze“, mahnte Bailey mit Blick auf die Zinspfad-Erwartungen.
Trügerische Ruhe am Anleihemarkt
Bailey benennt präzise die Schwachstelle: Hebelwetten ersetzen am Anleihemarkt verlässliche Langfristanleger.
Seine Rezepte wie Mindest-Haircuts wirken jedoch zahnlos gegenüber der geballten Macht privater Fonds.
Solange diese Akteure unkontrolliert hebeln, bleibt die scheinbare Stabilität eine Illusion.