Diskretionäre Inflation als Zinskompass senkt Wohlfahrtsverluste
BOE Studie

Diskretionäre Inflation als Zinskompass senkt Wohl­fahrts­ver­lus­te

Geldpolitische Zinsregeln sollten auf diskretionäre Preise statt auf den Gesamt-VPI reagieren. Forscher der Bank of England und des EZB-Netzwerks ChaMP belegen, dass dieser Ansatz Wohlfahrtsverluste um 9,4 Prozent senkt, indem er Zinsschritte an den tatsächlichen Transmissionskanal koppelt.

Mengen reagieren im Luxus, Preise beim Grundbedarf

In Rezessionen des Euroraums entfallen rund 95 Prozent des Konsumrückgangs und 96 Prozent des Beschäftigungsabbaus auf diskretionäre Güter und Dienstleistungen.

Dagegen treiben Grundbedarfssektoren 86 Prozent der Inflationsschwankungen, reagieren mengenmäßig jedoch kaum auf Zinsänderungen.

Zudem arbeiten in diskretionären Branchen im Schnitt 17,5 Prozent sogenannte Hand-to-Mouth-Beschäftigte mit geringen liquiden Rücklagen, verglichen mit 8,5 Prozent im Grundbedarf.

Im untersten Einkommensfünftel liegt dieser Anteil bei 31 Prozent.

Nach einem kontraktiven Zinsschock sinkt der diskretionäre Konsum um bis zu 80 Basispunkte und die Beschäftigung um 0,1 Prozentpunkte, während Grundbedarfspreise doppelt so stark nachgeben wie diskretionäre Preise.

Zwei Drittel näher am Ramsey-Optimum

Das kalibrierte Zwei-Sektoren-Modell verknüpft nicht-homothetische Nachfrage mit höherer Preisstarrheit bei diskretionären Gütern, deren Preise sich monatlich mit 10,1 Prozent anpassen gegenüber 14,9 Prozent bei Grundbedarfsartikeln.

Eine Zinsregel, die auf diskretionäre Inflation fokussiert, schließt zwei Drittel der Wohlfahrtslücke zur optimalen Ramsey-Politik.

Unter der empirischen Schockverteilung sinken die Wohlfahrtsverluste um 9,4 Prozent, da die Standardabweichung der diskretionären Inflation von 1,33 auf 0,89 und jene der Grundbedarfsinflation von 1,85 auf 1,52 fällt.

Der VPI ist der falsche Zinskompass

Die mechanische Zinsreaktion auf Gesamtraten erweist sich als wohlfahrtschädlicher Umweg.

Wer Leitzinsen wegen teurer Energie oder Nahrungsmittel anhebt, trifft vor allem Branchen, deren Beschäftigte kaum liquide Puffer besitzen.

Notenbanken müssen die Zinssteuerung daher von der reinen Messung der Lebenshaltungskosten trennen.

Quelle: Inflation composition and monetary stabilization

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