Greene plädiert für Zinserhöhungen gegen Zweitrundeneffekte
Megan Greene spricht sich am 20. Oktober 2026 an der London School of Economics für vorbeugende Zinserhöhungen aus. Das Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank von England sieht weniger Unterauslastung am Arbeitsmarkt als bislang angenommen.
Zwei Lohnmaße, zwei Lesarten
Die regulären Privatsektorlöhne stiegen laut amtlicher Wochenverdienststatistik (AWE) im August um 3,0 Prozent.
Steuerdaten (RTI) zeigen dagegen einen Mediananstieg von 4,4 Prozent im September; ihr Mittelwert lag im August bei 5 Prozent.
Die August-Lücke von 2 Prozentpunkten erklärt Greene mit Branchengewichten, unterschiedlichen Zuwächsen innerhalb der Branchen und Bonuszahlungen.
Bereinigt ergeben sich 3,4 Prozent für AWE und 4,5 Prozent für RTI.
Beide Werte liegen aus ihrer Sicht über dem mit 2 Prozent Inflation vereinbaren Lohnwachstum von rund 3 Prozent.
Bei Branchenverschiebungen gewichtet sie RTI stärker, weil Verwaltungsdaten auch kleine Firmen erfassen.
AWE unterschätze seit Ende 2025 den tatsächlichen Lohndruck; die Lohnprognosen der Bank lagen seit der Pandemie systematisch zu niedrig.
Die Lohndämpfung verliert an Kraft
Greene sieht das Lohnwachstum im kommenden Jahr eher bei 3,5 als bei 3 Prozent.
Die Unternehmensbefragung DMP zeigt Erwartungen von 3,4 Prozent, Indeed im August 4 Prozent.
Lohnabschlüsse für 2027 zeichnen sich ähnlich oder nur wenig niedriger als 2026 ab.
Die meisten werden zwischen Januar und April vereinbart, laut Bank bei über 4 Prozent Inflation.
Zugleich sank die Arbeitslosenquote von 5,2 auf 4,7 Prozent.
Gas kostet nahezu dreimal, Öl knapp doppelt so viel wie zu Jahresbeginn; Haushalte erwarten kurz- und längerfristig 4,5 beziehungsweise 4,3 Prozent Inflation.
Abwarten schützt nicht
Für Greene ist Arbeitsmarktunterauslastung kein verlässlicher Schutz vor Zweitrundeneffekten des Energieschocks.
Auf die Lohnumfrage im Februar 2027 zu warten, käme wegen der Wirkungsverzögerung der Geldpolitik zu spät.
Banksimulationen stützen für sie vorbeugende Zinserhöhungen mit späterer Korrektur statt eines verspäteten Eingreifens.