Stablecoins stützen den Dollar nur mit solidem Fundament
BoE-Rätin Carolyn Wilkins analysiert an der Queen's University Belfast die Machtdynamik digitaler Währungen. Bei einem Marktvolumen von 300 Milliarden Dollar und 98 Prozent US-Dollar-Anteil stützen Stablecoins die US-Währung, schaffen jedoch neue Risiken für die Finanzstabilität.
300 Milliarden Dollar auf der Blockchain
Der Markt für Stablecoins wuchs bis Mitte 2026 auf rund 300 Milliarden US-Dollar an, wovon 98 Prozent auf den US-Dollar lauten.
Allein die Emittenten USDT und USDC hielten Ende 2025 fast 150 Milliarden US-Dollar in kurzlaufenden US-Staatsanleihen und kauften im selben Jahr für 33 Milliarden Dollar Titel zu.
Wilkins betonte in Belfast die Bedingungen für privates Digitalgeld: „Private Währungen erfordern Mechanismen, die den Umtausch zu pari sichern, sowie glaubwürdige Liquidität im Stressfall.“
Während die USA mit dem GENIUS Act vom Juli 2025 bundesweite Reservevorgaben schufen, finalisiert die Bank of England Ende 2026 strengere Regeln für systemische Pfund-Stablecoins samt Notfallzugang zu Zentralbankliquidität.
Vom Pfund-Abstieg bis zur mBridge
Historische Parallelen wie die Bankenkrisen des 19. Jahrhunderts oder der USDC-Peg-Verlust beim Zusammenbruch der Silicon Valley Bank im März 2023 belegen die Anfälligkeit privater Geldversprechen.
Gleichzeitig sinkt der Anteil des Dollars an den weltweiten Devisenreserven von über 70 Prozent um das Jahr 2000 auf etwa 57 Prozent im ersten Quartal 2026, auch wenn er bei 89,2 Prozent aller Devisengeschäfte im April 2025 präsent blieb.
Alternative Systeme wie das chinesische CIPS und das mBridge-Projekt schaffen zudem Zahlungsschienen abseits des traditionellen Korrespondenzbankwesens.
Technologie ersetzt kein Vertrauen
Washingtons Kalkül, mit privaten Token die Vormachtstellung des Dollars dauerhaft abzusichern, greift zu kurz.
Technologische Netzwerkeffekte bieten keinen Schutz, wenn fiskalische Disziplin und institutionelle Glaubwürdigkeit erodieren.
Ohne solide Staatsfinanzen wird auch digitalisiertes Geld im Ernstfall zur Fluchtquelle.
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