Optimale Geldpolitik senkt Leitzins bei CO2-Preisschocks
Bei steigenden CO2-Preisen sollte die Geldpolitik den Leitzins senken, um die reale Wirtschaftsleistung zu stützen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungspapier der Bank of England von Marco Carli, Francesca Diluiso und Mathias Hoffmann vom Oktober 2026.
Zinssenkung gegen den CO2-Schock
Ein Modell der Ökonomen zeigt den geldpolitischen Zielkonflikt: Ein CO2-Preisschock, der die Emissionen im ersten Jahr um 5,0 Prozent senkt, treibt die Gesamtinflation und lässt die Energiepreise um etwa 6,0 Prozent steigen, dämpft aber gleichzeitig das BIP.
Ein Ramsey-Planer löst diesen Konflikt zugunsten der Realwirtschaft: Die Zentralbank senkt den Leitzins, um den Einbruch bei Konsum und Beschäftigung abzufedern, während sie den temporären Inflationsschub hinnimmt.
Bei grünen Subventionen kehrt sich der Befund um: Diese verbilligen Energie um etwa 4,0 Prozent und wirken expansiv.
Hier verlangt die optimale Politik eine Zinserhöhung, um die Überhitzung am Arbeitsmarkt einzudämmen.
Doppelmandat schlägt reines Inflationsziel
Einfache Taylor-Regeln vertiefen die Wohlfahrtsverluste, weil sie starr auf Preissteigerungen reagieren.
Regeln mit Doppelmandat schneiden deutlich besser ab, da sie die Outputlücke aktiv stabilisieren.
Die Steuerung der Kerninflation erweist sich zwar als vorteilhafter gegenüber der Gesamtinflation, doch dieser Abstand schrumpft bei unvollständiger Substituierbarkeit von Energie.
Finanziert der Staat grüne Subventionen direkt aus CO2-Einnahmen, steigt der Energiepreis um lediglich 0,5 Prozent, was makroökonomische Schwankungen fast vollständig neutralisiert.
Theoretisch kühn, praktisch heikel
Die Studie bricht mit dem Dogma, dass Zentralbanken jeden Preisschub bekämpfen müssen.
Für Institute wie die EZB liefert die Analyse eine theoretische Rechtfertigung, CO2-getriebene Inflation zeitweise zu tolerieren.
In der Praxis riskiert diese Strategie jedoch die mühsam verteidigte Glaubwürdigkeit der Inflationsziele.