Zahlungsverkehr erhält modularen Kern mit gemeinsamer Liquidität
Ein modularer Kern soll Großbritanniens künftigen Massenzahlungsverkehr tragen. Nach 121 Konsultationsantworten plant das Retail Payments Infrastructure Board die Übergabe des Grobentwurfs an die branchengeführte Umsetzungsgesellschaft im Frühjahr 2027.
Gemeinsame Standards, wiederverwendbare Funktionen
Das von Victoria Cleland geleitete Retail Payments Infrastructure Board (RPIB) schlägt eine gemeinsame Plattform für bestehende und künftige Zahlungsprodukte vor.
Einheitliche ISO-20022-Nachrichten und abgestufte sichere Zugangswege sollen Interoperabilität und Wettbewerb unterstützen.
Eine Orchestrierungsschicht soll Zahlungen prüfen, weiterleiten und bündeln; befristet soll sie alte FPS- und Bacs-Formate überführen.
Teilnehmer sollen eigene Liquidität produktübergreifend nutzen können.
Die Abwicklung soll über das Echtzeit-Bruttozahlungssystem der Bank von England (BoE) in Zentralbankgeld erfolgen.
Für die meisten vorgesehenen Produkte hält die BoE vorfinanzierten Nettoausgleich weiterhin für geeignet.
Schlanker Kern, umstrittene Grenzen
Die Konsultation vom Juni 2026 umfasste 18 Fragen und acht Unterfragen; 110 Organisationen und elf Privatpersonen antworteten.
Breite Zustimmung galt einem schlanken Kern, nicht aber dessen genauer Abgrenzung: Gemeinsame Betrugsprävention und Datendienste standen Bedenken zu Kosten und Wettbewerb gegenüber.
Bevorzugt wurde eine schrittweise Migration; Reihenfolge und verbindliche Termine blieben umstritten.
Die gemeinsame Entwurfsarbeit beginnt im November 2026.
Danach übernimmt die Umsetzungsgesellschaft Detailplanung, Beschaffung und Aufbau.
Der Kern allein reicht nicht
Nach Einschätzung des RPIB reicht die Infrastruktur allein für tragfähige Konto-zu-Konto-Zahlungen am Verkaufspunkt nicht aus.
Verbraucherschutz, Erstattungen und wirtschaftliche Anreize benötigen zusätzliche Regelungen.
Bestehende Systeme müssen bis zum erprobten Ersatz sicher und belastbar bleiben.