Bailey verteidigt Unabhängigkeit der Zentralbanken
BOE Speech

Bailey verteidigt Unabhängigkeit der Zentralbanken

Notenbankchef Andrew Bailey hat bei einer Konferenz an der London School of Economics die institutionelle Unabhängigkeit von Zentralbanken verteidigt. Geldwert- und Finanzstabilität seien übergeordnete öffentliche Güter, deren Legitimation auf parlamentarischer Delegation beruhe.

Öffentliches Gut statt Klientelpolitik

Die Unabhängigkeit von Zentralbanken gründet laut BoE-Gouverneur Andrew Bailey auf tiefen ideengeschichtlichen Traditionen.

In Anlehnung an Montesquieu, Locke und Hume betonte Bailey bei der LSE-Trium-Konferenz, dass stabiles Geld und ein solides Finanzsystem reine öffentliche Güter seien, von denen die gesamte Gesellschaft profitiert.

Notenbanken stünden derzeit unter doppeltem Beschuss: Einerseits werfe die Finanzbranche der Aufsicht Überregulierung vor, andererseits unterstellten populistische Strömungen eine bürgerferne Elite.

Bailey wies beide Vorwürfe zurück.

„Unabhängigkeit bedeutet keine Loslösung von der Demokratie“, betonte er.

Die Handlungsbefugnis stamme aus eindeutigen Gesetzen gewählter Parlamente, vor denen die Notenbank rechenschaftspflichtig bleibe.

Von der Kriegs­fi­nan­zie­rung zum Stabilitätsanker

Die Wurzeln dieses Modells reichen bis zur Gründung der Bank of England im Jahr 1694 zurück.

Ursprünglich zur Finanzierung des Kriegs gegen Frankreich und von privaten Investoren geschaffen, wandelte sich die Institution schrittweise zum Hüter des Geldwerts.

Bereits 1780 beschrieb Alexander Hamilton die Bank als Verbindung von öffentlicher Autorität und privatem Kredit.

Für Bailey belegt diese Historie, dass Notenbanken nicht außerhalb staatlicher Ordnungen agieren, sondern institutionelle Schranken gegen willkürliche Machtausübung bilden.

Edle Theorie, harter Alltag

Baileys philosophischer Exkurs ist rhetorisch elegant, wirkt angesichts des politischen Gegenwinds aber defensiv.

Die historische Herleitung löst die realen Verteilungskonflikte durch hohe Zinsen und strenge Regulierung nicht auf.

Am Ende sichern nicht Montesquieu-Zitate das Vertrauen der Bürger, sondern sichtbare Preisstabilität im Alltag.

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