Lombardelli warnt vor Zinsstraffung bei dauerhaftem Energieschock
Wegen des anhaltenden Energieschocks schließt die Bank of England eine erneute Zinsstraffung nicht aus. Bei fortgesetztem Preisdruck müsste der Leitzins von derzeit 3,75 Prozent womöglich wieder steigen, erklärte Notenbank-Vizechefin Clare Lombardelli bei einer Fachkonferenz in Polen.
Nahost-Konflikt treibt Teuerung auf über vier Prozent
Der Nahost-Konflikt belastet die britische Wirtschaft durch kräftige Preissprünge an den Rohstoffmärkten.
Seit dem Sommerbericht legte der Preis für Brent-Rohöl um 26 Prozent auf rund 98 Dollar je Barrel zu, während Erdgas um etwa 50 Prozent anzog.
An den Zapfsäulen stieg der Benzinpreis von 132 auf 172 Pence pro Liter.
In der Folge rechnet die Bank of England mit einem Anstieg der Inflationsrate von derzeit 3,1 Prozent auf 3,7 Prozent im vierten Quartal 2026 sowie 4,2 Prozent im ersten Quartal 2027.
Ohne die bis März 2027 wirkende Senkung der Mehrwertsteuer auf Strom würde die Rate voraussichtlich 4,5 Prozent erreichen.
„Die Geldpolitik muss voraussichtlich gestrafft werden, falls erhöhte Energiepreise anhalten“, betonte Lombardelli.
Geringe Zweitrundeneffekte bei restriktiven Zinsen
Nach Zinssenkungen um insgesamt 150 Basispunkte verharrt der Leitzins seit Ausbruch des Konflikts bei 3,75 Prozent.
Die Finanzierungsbedingungen haben sich spürbar verengt; so liegen zweijährige Festhypotheken um mehr als einen Prozentpunkt höher.
Bislang fangen Unternehmen die gestiegenen Energiekosten über geringere Margen ab, während die Lohnabschlüsse von 4,0 Prozent im Jahr 2025 auf 3,6 Prozent sanken.
Allerdings entwickeln sich die Energiepreise näher am adversen Szenario der Notenbank als im Basispfad.
Die Geduld der Notenbank hat Grenzen
Lombardelli bereitet die Märkte geschickt auf eine Zinswende vor, sollte der externe Schock auf Löhne überschwappen.
Dass Firmen Kosten vorerst noch abfedern, verschafft der Notenbank nur eine Atempause.
Bleibt Energie teuer, wird die Zinspause rasch in eine erneute Straffung übergehen.