Uchida sieht KI als Nachfrageschock und Zinstreiber
BoJ-Vize Shinichi Uchida hat auf der Herbsttagung ECONDAT 2026 die Folgen von KI für die Geldpolitik analysiert. Der Technologieboom wirke kurzfristig als positiver Nachfrageschock, verändere aber über Anleiheemissionen und Produktivität zentrale geldpolitische Parameter wie r-star.
Nachfrageschock und Zinsdruck
Künstliche Intelligenz ist laut BoJ-Vize Shinichi Uchida längst Gegenstand der Zinsberatungen der Bank of Japan.
Uchida identifizierte vier zentrale Wirkungskanäle auf Kernparameter der Geldpolitik: Erstens wirke der KI-Boom als Nachfrageschock, der Aufwärtsdruck auf Preise erzeuge.
Zweitens könne die Technologie über Produktivitätsgewinne und Kapitalakkumulation den natürlichen Zins r-star verschieben.
Drittens lockere der Anstieg der Aktienkurse zwar die Finanzierungsbedingungen, doch massive Anleiheemissionen von KI-Konzernen trieben zugleich die langfristigen Renditen nach oben.
Viertens drohten strukturelle Umbrüche am Arbeitsmarkt, da KI erstmals kognitive Fähigkeiten statt körperlicher Arbeit substituiere.
Echtzeitdaten und Modellgrenzen
Big Data und generative Modelle beseitigen laut Uchida zwei fundamentale Hürden der Notenbankanalyse: begrenzte Rechenleistung und mangelnde Datenverfügbarkeit.
Die Bank of Japan nutze bereits unstrukturierte Daten, darunter Schiffsverfolgungsdaten zur Analyse von Lieferketten während des Nahost-Konflikts.
Uchida warnte jedoch davor, dass herkömmliche Statistiken der Adoptionsgeschwindigkeit hinterherhinken könnten.
Bei mangelnder Profitabilität drohe zudem eine Korrektur an den Finanzmärkten.
Verkannte Gegenkräfte
Uchidas Rede verdeutlicht das wachsende Dilemma der Notenbanken zwischen KI-Investitionsboom und steigendem Renditedruck.
Der Verweis auf teure Anleiheemissionen entlarvt die Hoffnung auf einen rein disinflationären Angebotsschock als naiv.
Solange die Nettoeffekte auf r-star unklar bleiben, agiert die Geldpolitik zwangsläufig auf Sicht.