Lieferketten steuern Investitionen und Löhne in Japan
BOJ Paper

Lieferketten steuern Investitionen und Löhne in Japan

Eine neue Studie der Bank of Japan zeigt, wie stark japanische Fertigungsunternehmen in ihren Ausgaben verflochten sind. Investitionen folgen der Nachfrage nachgelagerter Partner, während die Festlegung von Regulärgehältern primär durch zentrale Ankerunternehmen geprägt wird.

Spiegeleffekte bei Boni und Investitionen

Die Ökonomen der Bank of Japan analysierten die Produktionsnetzwerke von rund 13.000 Fertigungsunternehmen.

Ihre Ergebnisse belegen vielschichtige Übertragungskanäle innerhalb der Lieferketten.

Kurzfristige ausländische Nachfrageschocks führen nicht zu nachhaltigen Lohn- oder Investitionssprüngen, lösen jedoch starke synchrone Anpassungen bei Bonuszahlungen aus, da diese direkt an Umsätze gekoppelt sind.

Längerfristige Sachinvestitionen orientieren sich hingegen strikt an der Investitionstätigkeit nachgelagerter Abnehmer – sowohl im Inland als auch bei Auslandsniederlassungen.

Bei den regulären Grundgehältern zeigt sich wiederum eine deutliche Kopplung an die Entscheidungen zentraler Ankerunternehmen am Ende der Wertschöpfungskette, insbesondere in der Automobil- und Transportmittelindustrie.

Machtverfall mit jeder Stufe

Die Stärke dieser Lohnkopplung hängt entscheidend von der Position im Netzwerk ab.

Während direkte Zulieferer der ersten Stufe den Gehaltsvorgaben der Leitzentralen eng folgen, schwächt sich dieser Effekt mit zunehmendem Abstand deutlich ab.

Ab der dritten Zulieferstufe tendiert der Einfluss gegen Null.

Hauptgrund ist das schwindende Durchsetzungsvermögen bei Preisanpassungen je weiter oben ein Betrieb in der Kette angesiedelt ist.

Branchenspezifisch erweisen sich zudem der Stahlsektor, die Elektronik sowie die Metallverarbeitung als besonders starr verknüpft hinsichtlich ihrer Investitionsmuster.

Keiretsu-Geist in neuem Gewand

Die Studie zeigt eindrucksvoll, dass Japans Industrie weiterhin stark von alten Konzernhierarchien dominiert wird.

Dezentrale Marktimpulse verpuffen auf den oberen Zulieferstufen weitgehend wirkungslos.

Für die Notenbank bleibt die direkte Einflussnahme auf die wenigen Großkonzerne an der Spitze daher der einzig effektive Hebel.