Deflation und Jobgarantien entkoppeln Löhne von Produktivität
BOJ Paper

Deflation und Jobgarantien entkoppeln Löhne von Produktivität

Eine neue Studie der Bank of Japan zeigt, wie jahrzehntelange Deflation und die Priorisierung von Arbeitsplatzsicherheit das Lohnwachstum entkoppelt haben. Abwärts- und Aufwärtsstarren bei den Löhnen verhinderten eine effiziente Reallokation von Arbeitskräften zu produktiveren Unternehmen.

Lohnstopps belasten Pro­duk­ti­vi­täts­ge­win­ne

Die empirische Analyse japanischer Mikrodaten von 1990 bis 2024 belegt, dass Nominallöhne während der Deflationsphase sowohl nach unten als auch nach oben extrem starr waren.

Unternehmen verzichteten in Phasen hoher Produktivität auf Lohnerhöhungen, um spätere Kosten durch notwendige Lohnsenkungen in Krisenzeiten zu vermeiden.

Ein entwickeltes allgemeines Gleichgewichtsmodell zeigt, dass diese doppelten Lohnstarren den Lohnabschlag künstlich vergrößerten.

Höhere Inflation verringert die effektiven Anpassungskosten der Unternehmen und stellt die Signalfunktion der Löhne wieder her.

Dadurch bewegen sich Arbeitskräfte flexibler zu produktiveren Firmen, was sowohl die Aggregatlöhne als auch die gesamtwirtschaftliche Produktivität messbar steigert.

Jobgarantie bremst die Dynamik

Neben der Deflation wirkte die japanische Praxis, Arbeitsplatzsicherheit über Lohnsteigerungen zu stellen, als struktureller Bremsklotz für den Arbeitsmarkt.

In Verhandlungen akzeptierten Beschäftigte stagnierende Löhne im Tausch gegen Beschäftigungsgarantien, was die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer schwächte.

Modellsimulationen verdeutlichen die Folgen: Hätte Japan ein Inflationsziel von 2,0 Prozent erreicht und eine höhere Arbeitsmobilität aufgewiesen, lägen die Reallöhne heute deutlich näher an der Produktivitätsentwicklung.

Lehre für alternde Volkswirtschaften

Japans Lohnstagnation entpuppt sich nicht als Produktivitätsproblem, sondern als Folge verkrusteter Arbeitsmärkte.

Der vermeintliche Schutz durch Jobgarantien lähmte langfristig den gesunden Wettbewerb um Arbeitskräfte.

Das ist eine Warnung vor den Kollateralschäden schleichender Deflation.