Irlands Haushaltslücke klettert auf 7,2 Milliarden Euro
Irlands zugrunde liegendes Haushaltsdefizit ist bis 2025 auf 7,2 Milliarden Euro angewachsen. Vor dem Parlamentsausschuss für Haushaltskontrolle warnte Zentralbankdirektor Robert Kelly am 16. September 2026 vor einer gefährlichen Abhängigkeit von volatilen Unternehmensteuern.
Verdeckte Defizite hinter Steuer-Milliarden
Trotz nomineller Haushaltsüberschüsse verschlechtert sich Irlands fiskalische Basis drastisch.
Das zugrunde liegende Defizit stieg von 800 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 7,2 Milliarden Euro 2025.
Als Ursache nannte Robert Kelly ein Wachstum der Staatsausgaben um nominal 55 Prozent seit 2020 – real pro Kopf ein Drittel schneller als im Euroraum.
Gegenwärtig wird diese Lücke durch Übergewinne aus der Körperschaftsteuer verdeckt, die 2025 rund 16,5 Milliarden Euro betrugen und 15 Prozent der Steuereinnahmen ausmachen.
Ohne Gegenmaßnahmen könnte das strukturelle Defizit bis 2030 auf 20 Milliarden Euro anwachsen, bei ungebremstem Ausgabentrend sogar auf 26 Milliarden Euro.
Die Zentralbank fordert daher, das Ausgabenwachstum im Haushalt 2027 strikt auf fünf Prozent zu begrenzen.
Schuldenaufnahme für staatliche Zukunftsfonds
Die Haushaltsrisiken gefährden den Aufbau langfristiger Puffer.
Für den Future Ireland Fund sowie den Infrastrukturfonds sind bis 2030 über 40 Milliarden Euro vorgesehen.
Nach Regierungsplänen müsste der Staat zwischen 2028 und 2030 knapp 8 Milliarden Euro aufnehmen, um die Einzahlungen zu leisten.
Bei fortgesetzt hohem Ausgabenwachstum stiege der Kreditbedarf auf fast 19 Milliarden Euro.
Zugleich verteuert sich die Refinanzierung: Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen lag Anfang 2026 bei über 3,0 Prozent, verglichen mit 0,5 Prozent im Zeitraum von 2015 bis 2021.
Sparen auf Pump ist keine Vorsorge
Irlands Haushaltsüberschüsse blenden: Flüchtige Konzernsteuern kaschieren ein massives strukturelles Defizit.
Kredite aufzunehmen, um gesetzliche Zukunftsfonds zu bedienen, führt den Sinn finanzieller Vorsorge ad absurdum.
Dublin muss das Ausgabenwachstum umgehend deckeln, bevor unkalkulierbare Steuerausfälle schmerzhafte Einschnitte erzwingen.