BIP wächst um 0,6 Prozent bei anhaltendem Preisdruck
Russlands Wirtschaft verzeichnete im ersten Halbjahr ein vorläufiges BIP-Wachstum von 0,6 Prozent im Jahresvergleich, während der Preisdruck im Juli und August hoch blieb. Das geht aus dem aktuellen Konjunkturbericht der russischen Zentralbank hervor.
Zweitrundeneffekte treiben die Kerninflation
Der saisonbereinigte Preisanstieg in Russland verharrte zwischen Juli und August auf erhöhtem Niveau.
Neben temporären Angebotsschocks bei Treibstoffen sowie Obst und Gemüse stieg auch der zugrunde liegende Preisdruck spürbar an.
Als Hauptursachen nennt der Bericht Zweitrundeneffekte teurerer Kraftstoffe und die Abwertung des Rubels, der seine Frühjahrsgewinne wieder abgab.
Die Inflationserwartungen von Unternehmen und privaten Haushalten korrigierten im August nach einem kräftigen Julisprung nur leicht nach unten und verbleiben über dem Niveau des ersten Halbjahres.
Gleichzeitig wuchs die Wirtschaft im ersten Halbjahr vorläufig um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, gestützt vor allem durch staatliche Beschaffungsprogramme sowie Zuwächse in den Konsum- und Investitionssektoren.
Konsumboom trotz sinkender Sparquote
Am Arbeitsmarkt verlangsamte sich das Lohnwachstum im Zuge einer allmählichen Normalisierung, wodurch sich der Abstand zum Produktivitätswachstum verringerte.
Dennoch expandiert der private Konsum dynamisch.
Die damit einhergehende sinkende Sparquote resultiert laut Notenbank aus vorgezogenen Käufen langlebiger Güter und den verzögerten Effekten vorangegangener Zinssenkungen der vergangenen sechs bis zwölf Monate.
Gleichzeitig gerieten die russischen Finanzmärkte im Juli und August durch erhöhte Volatilität an den Aktienmärkten und einen nachgebenden Rubel unter Druck.
Geldpolitischer Balanceakt ohne Spielraum
Das Mini-Wachstum von 0,6 Prozent überdeckt die gravierenden strukturellen Verwerfungen einer staatsgetriebenen Kriegskonjunktur.
Indem die Notenbank die Inflation primär auf temporäre Effekte schiebt, verharmlost sie die anhaltende Überhitzung von Konsum und Staatsnachfrage.
Das Inflationsziel von vier Prozent für 2027 rückt damit in weite Ferne.