Qualifikationsverluste kosten drei Prozent Wirtschaftsleistung
Ein einmaliger Angebotsschock senkt das reale BIP durch Qualifikationsverluste bei Arbeitslosigkeit dauerhaft um drei Prozent. Eine agentenbasierte Studie der Bank of Russia zeigt, dass gezielte Weiterbildungen in Schlüsselbranchen den Wohlstandsverlust vollständig abfedern.
Dauerhafte Narben im Produktionspotenzial
Alexandra Glazova von der Bank of Russia analysiert anhand eines agentenbasierten Modells die Transmission eines 25-prozentigen aggregierten Angebotsschocks auf den russischen Arbeitsmarkt.
Während Standardmodelle ohne Friktionen eine rasche Erholung binnen zehn Quartalen prognostizieren, hinterlässt der Schock bei variablen Qualifikationen tiefe Narben: Das reale Bruttoinlandsprodukt verharrt selbst nach 20 Quartalen um rund drei Prozent unter dem Referenzpfad ohne Schock.
Maßgeblicher Treiber ist der Verlust ungenutzter Fähigkeiten während der Arbeitslosigkeit, der im Modell auf 3,75 Prozent pro Quartal kalibriert ist.
Besonders stark leiden Branchen mit hohem Qualifikationsprofil wie freiberufliche und technische Dienstleistungen sowie die Immobilienwirtschaft.
Zielgenaue Förderung bricht Ineffizienz
Das Modell stützt sich auf 21 erfasste Kompetenzfelder und bildet Übergänge zwischen 20 Wirtschaftszweigen ab.
Ein zentrales Resultat betrifft wirtschaftspolitische Interventionen: Während ein breit angelegtes Qualifizierungsprogramm die Umschulung von 50 Prozent aller Arbeitslosen erfordert, um das BIP-Defizit auszugleichen, genügt bei zielgerichteter Förderung von Studierenden in den beiden am stärksten betroffenen Sektoren eine Quote von lediglich sieben Prozent der Arbeitslosen.
Präzision schlägt Gießkanne
Die Studie demaskiert die blinden Flecken aggregierter Gleichgewichtsmodelle bei sektoralen Schocks.
Für Notenbanken liefert die Simulation ein starkes Argument gegen undifferenzierte Konjunkturhilfen.
Gezielte Qualifizierung in Schlüsselbranchen ist fiskalisch weitaus wirksamer als teure Massenprogramme.
Quelle: The labor market: details matter
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