Produktionslücken messen nicht dieselbe Unterauslastung
DKNB Studie

Produktionslücken messen nicht dieselbe Unterauslastung

Abweichende Produktionslücken entstehen auch, weil Filter unterschiedliche theoretische Größen erfassen. Ein am 22. Oktober 2026 veröffentlichtes Forschungspapier Nr. 225 der dänischen Zentralbank schlägt deshalb einen Zwei-Lücken-Filter vor.

Zwei Maßstäbe statt einer Lücke

Jeppe Druedahl, Martin Andreas Kildemark und Christoffer Jessen Weissert unterscheiden zwei Produktionslücken: Die effiziente misst die Abweichung von Produktion ohne nominale und reale Friktionen.

Die zweite vergleicht mit Produktion bei flexiblen Preisen, aber fortbestehenden realen Friktionen.

Angebotsschocks verzerren Produktions- und Beschäftigungssignale; Kostendruck lässt die beiden Lücken auseinanderlaufen.

Herkömmliche Filter vermischen diese Größen.

Der Zwei-Lücken-Filter ergänzt Produktion, Arbeit, Inflation und Inflationserwartungen um einen latenten Kostendruckzustand.

In 100 Simulationen mit jeweils 250 Quartalen verbessert er die Schätzung gegenüber konventionellen Filtern dort, wo diese versagen; Tests mit umfangreicheren DSGE-Modellen bestätigen den Befund.

US-Daten trennen Auslastung und Preisdruck

Für die USA vom ersten Quartal 1984 bis zum zweiten Quartal 2025 liegt die effiziente Lücke nach der Pandemie nahe null, die Flexpreis-Lücke deutlich darüber.

Nach der Finanzkrise bleibt die effiziente Lücke dagegen bis etwa 2015 negativ.

Der Okun–Kuttner-Filter stimmt mit ihr nahezu vollständig überein: Der Konkordanzkorrelationskoeffizient beträgt 1,000. Der Kuttner-Filter korreliert mit der Flexpreis-Lücke mit 0,971, verfehlt aber deren Größenordnung.

Der geschätzte Kostendruck folgt einem extern ermittelten Energiepreiszyklus.

Gleiches Vorzeichen, gemeinsame Richtung

Laut den Autoren erlaubt ein gleiches Vorzeichen beider Lücken eine gemeinsame Stabilisierungsrichtung.

Gegensätzliche Vorzeichen bedeuten dagegen einen Zielkonflikt zwischen Inflation und effizienter Produktion.

Eine Grenze bleibt: Die Größenordnung der Flexpreis-Lücke hängt von der schwer schätzbaren Phillipskurvensteigung ab.

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