DNB-Studie: Heterogene Haushalte erfordern divergente Zinspolitik
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DNB-Studie: Heterogene Haushalte erfordern divergente Zinspolitik

Eine neue DNB-Studie zeigt, dass Haushaltsheterogenität die optimale Geldpolitik grundlegend verändert. Bei einem Kostenschock sollte der Leitzins steigen, der Langfristzins jedoch sinken, um verschuldete Haushalte zu entlasten.

Divergierende Zinspolitik bei heterogenen Haushalten

Die jüngste Inflationswelle hat die Debatte über den optimalen Mix konventioneller und unkonventioneller Instrumente neu entfacht.

Eine neue DNB-Studie von Alpanda, Kabaca und Mavromatis zeigt, dass die Zusammensetzung der Haushalte die optimale Geldpolitik grundlegend verändert.

In einem dynamischen stochastischen allgemeinen Gleichgewichtsmodell (DSGE) mit Sparern, Kreditnehmern und Mietern führt ein Kostenschock zu einer divergierenden Zinspolitik: Die Zentralbank erhöht den kurzfristigen Leitzins zur Inflationsbekämpfung, senkt aber gleichzeitig den Langfristzins.

Dies entlastet verschuldete Haushalte und Mieter, fördert die Erholung der Investitionen, erhöht jedoch die Ungleichheit beim Konsum.

Im Gegensatz dazu würden in einem repräsentativen Agentenmodell, das Haushaltsheterogenität ignoriert, beide Zinsen angehoben.

Die Zentralbank steuert dabei sowohl den kurzfristigen Leitzins als auch den langfristigen Zins über das relative Angebot an langfristigen Staatsanleihen.

Hypotheken, Heterogenität und Wohlfahrtsanalyse

Das Papier erweitert den Standard-New-Keynesianischen Rahmen um langfristige Festhypotheken und einen Wohnungsbausektor, was eine detailliertere Analyse der geldpolitischen Transmission durch den Immobilienmarkt ermöglicht.

Ein zentraler Beitrag ist die Einführung eines wohlfahrtsbasierten Kriteriums, das die Verteilungskonsequenzen der Geldpolitik über heterogene Haushalte hinweg berücksichtigt.

Die Autoren liefern neue Einblicke in die Rolle unkonventioneller geldpolitischer Instrumente in Volkswirtschaften mit hoher Haushaltsverschuldung.

Methodisch wird eine soziale Wohlfahrtsfunktion konstruiert, die die Nutzenfunktionen der einzelnen Haushaltstypen aggregiert, um die optimale Politik unter Verpflichtung zu bestimmen.

Verteilungsfragen rücken ins Zentrum

Diese Studie unterstreicht die wachsende Bedeutung von Verteilungsfragen für die Geldpolitik.

Die Erkenntnis, dass eine differenzierte Zinspolitik notwendig sein kann, stellt eine Herausforderung für traditionelle Ansätze dar.

Für Zentralbanken bedeutet dies, dass sie über die reine Inflationsstabilisierung hinaus auch die sozialen Auswirkungen ihrer Entscheidungen stärker berücksichtigen müssen.