DNB: Niederlande robust, doch Europa muss resilienter werden
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DNB: Niederlande robust, doch Europa muss resilienter werden

Die niederländische Wirtschaft zeigte sich 2025 widerstandsfähiger als erwartet, mit 1,9 Prozent Wachstum und niedriger Arbeitslosigkeit. Doch die DNB warnt vor wachsenden geopolitischen Risiken und fordert ein resilienteres Europa.

Robuste Fassade, tiefe Risse

Die niederländische Wirtschaft präsentierte sich 2025 widerstandsfähiger als erwartet, mit einem Wachstum von 1,9 Prozent, das über der strukturellen Rate von 1,5 Prozent lag.

Die Arbeitslosigkeit verharrt auf historisch niedrigem Niveau, und die Inflation lag bei 3 Prozent, mit einem abnehmenden Trend bis zur jüngsten Eskalation im Nahen Osten.

Auch die Staatsverschuldung ist mit 45 Prozent des BIP relativ gering, und der Finanzsektor gilt als solide.

Doch unter der Oberfläche leidet die Wirtschaft seit Jahren unter Problemen wie einem stockenden Wohnungsmarkt, Druck auf die Kaufkraft, einem angespannten Arbeitsmarkt und Engpässen bei Lebensqualität und Nachhaltigkeit.

Besonders die internationale Sicherheitslage und Geopolitik verdichten sich zu dunklen Wolken am Horizont.

Die DNB spricht von "Code Gelb".

Die Nachkriegsordnung, basierend auf Regeln und freiem Handel, bröckelt.

Wirtschaftliche Integration wird zunehmend als Waffe eingesetzt, mit Zöllen und Bedrohungen des Zugangs zu kritischer Infrastruktur und Rohstoffen.

Dies führt zu einer Fragmentierung der Weltwirtschaft, erhöhter Unsicherheit und einem höheren Schockrisiko.

Europa im Rückstand

Die mangelnde internationale Koordination behindert gemeinsame Lösungsansätze für globale Probleme, etwa in der Finanzregulierung oder bei der Klimakrise.

Technologische Entwicklungen, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz, schreiten rasant voran, wobei die USA eine klare Führungsposition einnehmen und Europa zurückfällt.

Die alternde Bevölkerung Europas führt zudem zu steigenden Kosten für Gesundheits- und Sozialsysteme, während die Erwerbsbevölkerung jährlich um fast eine Million Menschen schrumpfen wird.

Dies setzt das Wirtschaftswachstum zusätzlich unter Druck, das in Europa ohnehin niedriger ist als in den Vereinigten Staaten.

Die DNB betont, dass in einer sich schnell verändernden Welt ein "Weiter so" keine Option ist.

Strategische Autonomie: Ein schmaler Grat

Die DNB skizziert einen Weg zu mehr Resilienz und Wachstum, der von strategischer Autonomie bis zur Vertiefung des Binnenmarktes reicht.

Die Betonung eigener Kapazitäten, etwa bei digitalen Zahlungssystemen, ist dabei ebenso zentral wie die Stärkung des Finanzsektors gegen Cyberangriffe.

Doch die Gratwanderung zwischen Protektionismus und offener Wettbewerbsfähigkeit bleibt eine Herausforderung, die kluge Politik und finanzielle Stabilität erfordert, um Europas Dynamik nicht zu opfern.

Quelle: Annual Report 2025

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