Makroprudenzielle Puffer steigern Bankenwert
Eine DNB-Studie zeigt: Unerwartete Erhöhungen makroprudenzieller Kapitalpuffer führen kurzfristig zu einem Rückgang der Kurs-Buchwert-Verhältnisse, gefolgt von einem nachhaltigen Anstieg. Dies deutet darauf hin, dass der Risikokanal den Ausschüttungskanal bei der Bewertung großer europäischer Banken dominiert.
Risikokanal übertrumpft Ausschüttungskanal
Die empirische Analyse von Eric Cuijpers (DNB) belegt einen robusten, statistisch signifikanten positiven Effekt einer Puffererhöhung auf die Bankenbewertung, gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis (PtB).
Während Puffererhöhungen kurzfristig mit einem Rückgang der Aktienkurse über wenige Tage verbunden sind, kehrt sich dieser Effekt im Laufe der Zeit um, wobei die PtB-Verhältnisse in den Wochen nach der Ankündigung signifikant ansteigen.
Dieses Ergebnis steht im Einklang mit der Annahme, dass der Risikokanal den Ausschüttungskanal überwiegt.
Der Ausschüttungskanal besagt, dass höhere Kapitalanforderungen die ausschüttbaren Ressourcen reduzieren und somit die Eigenkapitalrendite und die Bewertung senken.
Der Risikokanal hingegen argumentiert, dass eine geringere Verschuldung das Bankrisiko mindert, die Eigenkapitalkosten senkt und die Bewertung steigert.
Die Studie zeigt, dass der Markt das reduzierte Risiko trotz höherer Pufferanforderungen anerkennt.
Marktbasierte Überraschungen als Messgröße
Die Untersuchung adressiert die Herausforderung der Endogenität zwischen Bankenbewertung und Pufferpolitik.
Sie konstruiert makroprudenzielle Kapitalpuffer-„Überraschungen“ aus Marktreaktionen auf Pufferankündigungen.
Dies ermöglicht die Schätzung dynamischer Bewertungsreaktionen auf kontinuierliche Politikschocks.
Die Studie nutzt Panel-Lokalprojektionen für eine Stichprobe großer europäischer Banken.
Im Gegensatz zur bestehenden Literatur, die Pufferanforderungen oft als niederfrequente Politikvariablen behandelt, isoliert dieser Ansatz die Komponente der Pufferpolitik, die orthogonal zu gleichzeitigen Informationen über Bankfundamentaldaten ist.
Die Daten stammen aus der Transparenzübung der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) von 2014 bis 2023 und umfassen 256 Bank-Jahres-Beobachtungen für 36 Banken über neun Jahre.
Gegenwind für die Industrie-Narrative
Diese Studie liefert wichtige empirische Belege, die der gängigen Industrienarrative widersprechen, wonach makroprudenzielle Kapitalpuffer die Bankenbewertung drücken.
Die Ergebnisse legitimieren die makroprudenzielle Politik als ein Instrument, das die langfristige Stabilität und Marktwahrnehmung von Banken verbessert.
Für Regulierer bietet die Arbeit somit starke Argumente zur Verteidigung des Nutzens erhöhter Kapitalpuffer.