Geldpolitik: Ungleichheitseffekte sind temporär
Neue Forschung der DNB zeigt, dass die Auswirkungen der Geldpolitik auf die Ungleichheit temporär und relativ gering sind. Die Studie relativiert die Annahme, dass Niedrigzinsen und Anleihekäufe primär reichere Haushalte begünstigen.
Drei Kanäle, unterschiedliche Effekte
Die Geldpolitik der EZB wirkt nicht für alle Haushalte gleich, da Einkommen, Vermögen und Schulden variieren.
Dies geschieht über drei Hauptkanäle.
Erstens, der Arbeitsmarkt: Niedrigere Zinsen stimulieren die Wirtschaft, schaffen Arbeitsplätze und erhöhen Löhne, was besonders Haushalten mit geringerem Einkommen zugutekommt.
Steigende Zinsen haben den gegenteiligen Effekt.
Zweitens, Vermögen und Vermögenspreise: Niedrigere Zinsen führen typischerweise zu höheren Preisen an den Immobilien- und Aktienmärkten, wovon reichere Haushalte profitieren.
Höhere Zinsen kehren diesen Effekt um.
Drittens, Zinsen und Schulden: Änderungen der Leitzinsen beeinflussen Spar- und Hypothekenzinsen.
Niedrigere Zinsen reduzieren Kreditraten, aber auch Sparerträge.
Höhere Zinsen bewirken das Gegenteil.
Diese Kanäle können zu unterschiedlichen Zeiten verschiedene Effekte erzeugen, wodurch sich die Auswirkung auf die Ungleichheit im Zeitverlauf ändern kann.
Modell zeigt Umkehreffekt
Um diese Effekte besser zu verstehen, kombiniert die DNB-Analyse ökonomische Literatur mit neuen modellbasierten Erkenntnissen.
Ein speziell entwickeltes Modell berücksichtigt explizit Einkommens- und Vermögensunterschiede zwischen Haushalten im Euroraum.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine Zinssenkung zunächst die Einkommensungleichheit erhöht, da vermögende Haushalte direkt von steigenden Vermögenswerten profitieren.
Mit der Zeit kehrt sich dieses Bild jedoch um: Die Wirtschaft erholt sich, was zu mehr Beschäftigung und höheren Löhnen führt.
Diese Effekte wirken sich verhältnismäßig stärker auf Haushalte mit geringerem Einkommen aus, wodurch die Ungleichheit allmählich wieder abnimmt.
Begrenzte Wirkung, klare Zuständigkeit
Die Studie bestätigt, dass die Auswirkungen der Geldpolitik auf die Ungleichheit begrenzt und temporär sind.
Langfristig wird Ungleichheit primär durch demografische Trends, Digitalisierung und Globalisierung sowie fiskalische Maßnahmen bestimmt.
Eine präzise Steuerung der Ungleichheit durch Geldpolitik ist nicht möglich; dies bleibt die Aufgabe der zielgerichteteren Fiskalpolitik der Regierungen.
Quelle: Does monetary policy increase inequality?
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