Europas Wirtschaft zeigt Resilienz in unsicheren Zeiten
Olaf Sleijpen von der DNB analysiert die scheinbare Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft trotz geopolitischer Spannungen und Handelsfragmentierung. Er beleuchtet die Implikationen für Europa und die Niederlande.
Das Paradox der scheinbaren Stabilität
Die Weltwirtschaft zeigt sich trotz außergewöhnlicher geopolitischer und ökonomischer Unsicherheit widerstandsfähig.
Olaf Sleijpen von der DNB stellt fest, dass Schlagzeilen wie der Krieg in der Ukraine oder die zweite Trump-Administration eine viel schwächere Wirtschaft erwarten ließen, während makroökonomische Daten und Aktienmärkte stabil erscheinen.
Ökonomische Theorien würden typischerweise einen Rückgang des Handels und der Produktivität, steigende Inflation, höhere Risikoprämien sowie schwächere Investitionen und geringeres Vertrauen vorhersagen.
Die Rede untersucht, warum sich diese negativen Effekte noch nicht vollständig materialisiert haben.
Vier Hauptkanäle beeinflussen die Wirtschaft: Handel und Lieferketten (Sanktionen, Zölle, Engpässe), Energie und Rohstoffe (Preisvolatilität, Versorgungssicherheit), Finanzmärkte (Risikoprämien, Kapitalbewegungen) sowie Vertrauen und Erwartungen (Investitionszurückhaltung, Konsumzurückhaltung).
Verzögerte Effekte und trügerische Ruhe
Die Niederlande sind als offene Volkswirtschaft besonders anfällig für externe Schocks, was sich bereits in Abwärtskorrekturen der Wachstumsprognosen durch US-Zölle zeigte.
Die Effekte der Handelsfragmentierung sind oft verzögert, da Unternehmen Kosten absorbieren oder Handel umleiten; langfristige Folgen wie Reshoring zeigen sich erst später.
Erhöhte Verteidigungsausgaben können kurzfristig das Wachstum ankurbeln, bergen für die Niederlande jedoch Inflationsrisiken durch den angespannten Arbeitsmarkt und hohe Importabhängigkeit.
Finanzmärkte erscheinen stabil, da sie Erwartungen einpreisen und fiskalische Unterstützung Schocks abfedert.
Diese Stabilität ist jedoch trügerisch, da Korrekturen abrupt erfolgen können und nicht die Abwesenheit von Anfälligkeiten bedeutet.
Trügerische Ruhe vor dem Sturm
Die scheinbare Resilienz der Wirtschaft ist trügerisch, da sie auf temporären Faktoren beruht und ernsthafte Risiken wie Inflationspersistenz und Finanzmarktinstabilität bestehen.
Zentralbanken können diese Herausforderungen nicht allein bewältigen; proaktive Fiskalpolitik und eine vertiefte europäische Integration sind entscheidend.
Die Niederlande müssen sich aktiv in Europa engagieren, um langfristige Stabilität in einer fragmentierten Welt zu sichern.
Quelle: Economic resilience in an uncertain world
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