DNB-Studie: Wasserknappheit als Risiko für Banken und Versicherer
Die DNB hat ein Stresstest-Framework entwickelt, das die Auswirkungen von Naturrisiken, insbesondere Wasserknappheit, auf die Finanzstabilität quantifiziert. Die Studie zeigt, wie Banken und Versicherer von erhöhten Ausfallwahrscheinlichkeiten betroffen sind.
Merton-Modell für Naturrisiken angepasst
Dieses Papier stellt ein Top-down-Stresstest-Framework vor, um die Auswirkungen der Naturzerstörung auf die Finanzstabilität zu schätzen.
Die Methodik verknüpft die drei Komponenten des NGFS-Konzepts für naturbezogene Risiken: Natur, Wirtschaft und Finanzsektor.
Ein Schock auf die Natur, beispielsweise Wasserknappheit, wird basierend auf makroökonomischen Auswirkungen von Proxy-Szenarien kalibriert.
Anschließend wird der Einfluss dieses Schocks auf Unternehmen geschätzt, indem das Merton-Modell angepasst wird, um die Anfälligkeit von Unternehmen gegenüber der Natur zu berücksichtigen.
Die resultierenden höheren Ausfallwahrscheinlichkeiten sind der Haupttreiber für Kredit- und Marktrisikoverluste bei Banken bzw. Versicherern.
Das Framework liefert granulare Indikatoren, von sektoralen Produktionsauswirkungen bis hin zu Marktumwertungen und aufsichtsrechtlichen Kennzahlen, die eine breite Palette analytischer und aufsichtsrechtlicher Anwendungen unterstützen.
Ein Beispiel-Szenario deutet auf einen BIP-Verlust von etwa 10 Prozent auf EU-Ebene hin, der zur Kalibrierung des Frameworks dient.
Von Abhängigkeit zu Risikobewertung
Die Zentralbankgemeinschaft, darunter NGFS, EZB, DNB und FSB, erkennt zunehmend an, dass naturbezogene Risiken eine Bedrohung für die Finanzstabilität darstellen.
Der NGFS betonte 2022 die Relevanz dieser Risiken für die Finanzstabilität.
Diese Erkenntnis folgt auf Berichte wie den Global Assessment Report des IPBES von 2019, der die weltweite Naturzerstörung dokumentierte.
Finanzielle Naturrisiken werden in physische Risiken (Degradation der Natur) und Übergangsrisiken (Anpassung an Naturschutz) unterteilt.
Frühere Bewertungen waren meist 'expositionsbasiert' und zeigten die Abhängigkeit von Finanzinstituten von Ökosystemdienstleistungen.
Neuere Ansätze versuchen, zu 'risikobasierten' Bewertungen überzugehen, die Schocks und Risikoprofile kombinieren.
Eine etablierte Methodik zur Übersetzung von Naturschocks in finanzielle Stabilitätsauswirkungen fehlte jedoch bisher.
Ein wichtiger Schritt, aber noch nicht das Ende
Dieses Papier ist ein entscheidender methodischer Fortschritt, um naturbezogene Risiken quantifizierbar zu machen und über qualitative Einschätzungen hinauszugehen.
Die Abhängigkeit von Proxy-Szenarien und aggregierten Daten unterstreicht jedoch den Bedarf an präziseren Naturdegradationsszenarien und unternehmensspezifischen Daten.
Trotz dieser Einschränkungen bietet das Framework Aufsichtsbehörden einen robusten Ausgangspunkt, um diese komplexen Risiken zu integrieren.