Lieferketten-Risiken: Europa anfällig für Schocks
Globale Lieferketten sind eine wachsende Quelle inflationären Drucks und makroökonomischer Volatilität in Europa. Eine DNB-Studie quantifiziert die Effekte von Störungen und identifiziert produktspezifische Schwachstellen.
Inflationäre Schocks und ihre Folgen
Die Studie der DNB zeigt, dass Lieferkettenstörungen zunehmend zu Inflation und makroökonomischer Volatilität in Europa führen.
Jüngste Ereignisse wie die COVID-19-Pandemie und Kriege in der Ukraine und im Iran verdeutlichen, wie globale Störungen schnell auf Preise und Produktion in der EU übergreifen können.
Die Auswirkungen auf die Inflation sind dabei ungleich verteilt und können bei schweren Störungen stark ansteigen.
Direkte Preiseffekte sind für Güter stärker als für Dienstleistungen, da historische Störungen hauptsächlich die Produktion und den Transport physischer Güter betrafen.
Die Effekte sind am stärksten, wo die Produktion stark von importierten Vorleistungen und vorgelagerten Komponenten abhängt.
Große Schocks erzeugen unverhältnismäßig stärkere Preiseffekte als kleinere, was bedeutet, dass schwere Episoden Inflationsrisiken bergen, die materiell größer sind als die durchschnittlichen historischen Effekte.
Dies kompliziert die makroökonomische Stabilisierung durch Geld- und Regierungspolitik.
Hyperglobalisierung verstärkt alte Probleme
Lieferkettenstörungen sind kein neues Phänomen im internationalen Handel; Kriege, Naturkatastrophen und geopolitische Konflikte haben die grenzüberschreitende Versorgung immer wieder unterbrochen.
Doch die Relevanz dieser Störungen nimmt zu, und ihre wirtschaftliche Übertragung hat sich verändert.
Der Klimawandel wird wetterbedingte Störungen voraussichtlich intensivieren, und höhere geopolitische Spannungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit strategischer Eingriffe in Handels- und Lieferabhängigkeiten.
Seit den 1970er Jahren hat die Globalisierung zunehmend die Form international verteilter Produktionsprozesse angenommen.
Anstatt hauptsächlich mit Endprodukten zu handeln, wurde die Produktion entlang langer und spezialisierter Lieferketten organisiert.
In hochgradig vernetzten Produktionsnetzwerken können selbst kleine, lokale Schocks weitreichend über Sektoren und Länder hinweg propagieren, was zu viel größeren und systemischeren makroökonomischen Effekten führt als in früheren Perioden.
Prävention schlägt Reaktion
Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen gegen Lieferketten-Schwachstellen, da die geldpolitische Reaktion ex post mit hohen Kosten verbunden ist.
Eine gezielte Industriepolitik ist dabei effektiver als breite sektorale Interventionen, da nur ein kleiner Teil der Güter wirklich anfällig ist.
Die Erkenntnisse fordern eine dynamische Anpassung der Politik an sich wandelnde Schwachstellen, um Europas Wirtschaft resilienter zu machen.