Phillips-Kurven nicht linear: EZB-Politik muss sich anpassen
DNB Paper Read in English

Phillips-Kurven nicht linear: EZB-Politik muss sich anpassen

Eine neue DNB-Studie zeigt, dass die Phillips-Kurven im Euroraum nicht linear sind. Dies bedeutet, dass die Geldpolitik in Phasen hoher Inflation effektiver ist und der Trade-off zwischen Inflation und Output stabilisierungsabhängig ist.

Asymmetrische Schockwirkung

Die Studie entwickelt ein Neues Keynesianisches Modell, das über die quasi-lineare Struktur herkömmlicher Phillips-Kurven hinausgeht.

Es integriert eine endogene Anpassung der Preis- und Lohnfestsetzungsfrequenzen, die sich an ökonomische Bedingungen anpasst.

Im Gegensatz zu Standardmodellen, die Inflation primär exogenen Angebotsschocks zuschreiben, zeigt dieses Framework, dass die Wirkung von Schocks asymmetrisch ist und von Timing, Größe sowie dem Konjunkturzyklus abhängt.

Die Forscher schätzen und simulieren das nicht-lineare Modell anhand von Eurozonen-Daten von 1999Q1 bis 2024Q4. Sie analysieren den jüngsten Inflationsanstieg und die Implikationen zustandsabhängiger Preise und Löhne für die Geldpolitik.

Demnach ist der Trade-off zwischen Inflations- und Outputstabilisierung zustandsabhängig, wobei die Geldpolitik in Zeiten hoher Inflation effektiver ist und Angebotsschocks größere Auswirkungen haben.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Kosten der Disinflation je nach makroökonomischen Bedingungen variieren.

Warum die Soft Landing gelang

Der Inflationsanstieg 2021–2022 hat grundlegende Fragen zur Preis- und Lohnanpassung aufgeworfen.

Trotz der hohen Inflation gelang in den meisten Industrieländern eine 'sanfte Landung' ohne tiefe Rezession, was auf endogene Reaktionen nominaler Rigiditäten hindeutet.

Mikroökonomische Belege zeigen, dass Unternehmen Preise in Inflationsphasen häufiger anpassen und Lohnfestsetzungsfrequenzen bei erhöhter Inflation steigen.

Makroökonomische Daten für den Euroraum bestätigen dies: Inflationsschocks durch Ölpreise erzeugen stärkere und persistentere Reaktionen als disinflationäre Schocks.

Größere Schocks führen zudem zu überproportional stärkeren Inflationsreaktionen, was eine klare Abweichung von der Linearität darstellt.

Diese Muster stehen im Gegensatz zum Standard-NK-Modell, das konstante Anpassungswahrscheinlichkeiten annimmt.

Ein Weckruf für die EZB

Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für die Geldpolitik, indem sie den jüngsten Inflationsanstieg als Phase steilerer Phillips-Kurven interpretiert.

Sie legt nahe, dass die EZB in den frühen Phasen des Inflationsanstiegs aggressiver hätte reagieren können, mit relativ geringen Output-Kosten.

Dies unterstreicht die Notwendigkeit, die Größe von Angebotsschocks bei der Politikgestaltung stärker zu berücksichtigen, da zustandsabhängige Preis- und Lohnfestsetzung die Inflation schnell verstärken können.